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Oberkirche St. Nikolai

Oberkirche um 1911, Fotograf unbekannt

Die uns heute bekannte Oberkirche, ist über viele Jahrhunderte hinweg stets ein wichtiger Begleiter für die Stadt Cottbus. Sie wird erstmals im Jahre 1156 in einer Mönchshandschrift des Klosters Nienburg erwähnt. Darin ist die Rede von „Cotibus, ecclesia et mercatus“, was so viel heißt, wie „Cottbus, Kirche und Markt.“ Die Geschichte der Kirche ist vermutlich älter, jedoch lässt sich das bis heute noch nicht konkret nachweisen. Zum damaligen Zeitpunkt trägt die Kirche noch den Namen „Nikolaikirche.“ Benannt nach dem heiligen Nikolaus, welcher als Schutzpatron von Kauf- und Seeleuten gilt. Die Kirche soll in dieser Zeit 41 Altäre beherbergen.

Der heute älteste Teil der Kirche befindet sich im gemauerten Unterteil des Kirchturmes. Der Turm stellt in einem von mindesten zwei Vorgängerbauten der Kirche wie wir sie heute kennen, den Mittelpunkt dar. Ein Aspekt, der genaue Auskünfte über die Kirche schwierig gestaltet ist, dass die Nikolaikirche über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Bränden zum Opfer gefallen ist. Im Jahr 1486 brennt die Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Der folgende Wiederaufbau ist die spätgotische Bauart, welche die Kirche auch heute noch präsentiert. In dieser Zeit entstehen der zweigeschossige Anbau, die Gestalt der dreischiffigen Hallenkirche und der 55m hohe Kirchturm, welcher nun an der Westfront der Kirche seinen Platz gefunden hat.

Im Zuge der Reformation wird die Kirche im Jahre 1537 evangelisch. In den Folgejahren entstehen in Cottbus und Umgebung immer mehr Kirchen. Um die Bedeutung der Nikolaikirche hervorzuheben, wird sie 1572 in „Oberkirche St. Nikolai“ umbenannt. Das hat auch damit zu tun, dass die Klosterkirche durch die Reformation eine evangelische Pfarrkirche wird und dadurch der Nikolaikirche untergeordnet ist. Somit bürgert sich für die Klosterkirche auch der Name Unterkirche, als Gegensatz zur Oberkirche ein.

Unter anderem in den Jahren 1600 und 1671 ist die Oberkirche erneut Opfer von zwei Stadtbränden, die immer wieder durchzuführende Reparaturarbeiten verlangen. Durch diese gibt es bauliche Veränderungen in der Kirche, die sich nicht datieren lassen und somit ein Erschwernis bei der Erforschung der Geschichte der Oberkirche darstellen. Zweihundert Jahre besteht die Oberkirche, ohne dass sie baulich großartig verändert wird. Anfang des 20. Jahrhunderts ist der bauliche Zustand jedoch so schlecht, dass etwas passieren muss. 1910 soll die Kirche aufwendige Renovierungsarbeiten erfahren. Diese sind zwingend notwendig, da es an manchen Stellen sogar schon herein regnet, wodurch das Innere der Oberkirche gefährdet ist. Da die Gelder jedoch nicht ausreichen, erfolgt ein Spendenaufruf an die Cottbuser Gemeinde, durch welche die Renovierung bezahlt werden soll. Und die Cottbuser Bevölkerung zeigt sich spendabel. Am 17. Dezember 1911 wird die vollendete Wiederherstellung durch einen festlichen Gottesdienst begangen.

Das 20. Jahrhundert schreitet voran und die Oberkirche übersteht auch den zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1945 fast unbeschadet. Erst zum Ende des Krieges fällt sie erneut einem Brand zum Opfer. Es ist bereits der fünfte große Brand in der Geschichte der Oberkirche St. Nikolai in Cottbus. Es wird fast das komplette Innere der Kirche beim Feuer vernichtet. Eine der wenigen Dinge, die den Brand überstehen, ist der Altar aus dem Jahre 1664. Dieser wird vorsorglich zu Beginn des zweiten Weltkrieges eingemauert. Eine Entscheidung, die sich nun bezahlt macht.
Bereits im Jahr 1947 beschließt das Stadtparlament den Wiederaufbau der Kirche. Dieser zieht sich jedoch über einige Jahre. Am 1. Juni 1955 wird die Kirche erneut eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch erst ein Drittel wieder aufgebaut. Komplett vollendet ist der Bau erst am 1988. Denn am 19. Juni wird die rekonstruierte Turmhaube auf den Turm aufgesetzt. Nach über 40 Jahren haben die Cottbuser nun ihre komplette Oberkirche zurück.
Und auch heute noch ist die  Kirche mit ihrem Turm ein Wahrzeichen, welches das Stadtbild entscheidend prägt.

 

Siehe auch: Klosterkirche, Propsteikirche "St. Maria Friedenskönigin"

Quellen: Arbeitsgemeinschaft Regionale Entwicklungszentren des Städtekranzes Berlin - Brandenburg: 1000 Jahre Kirche in Brandenburg. 2005. | Evangelischer Kirchenkreis Cottbus: Kirchen in + um Cottbus. Sonderherft zur BuGa. 1995. | Schmidt, Fritz: Unsere Cottbuser Oberkirche. aus vergangenen Tagen und neuerer Zeit vorhandene Nachrichten. Verlag Albert Heine. Cottbus. 1938.
 
Bildquelle: Fotosammlung Stadtarchiv Cottbus
 
Autor: Ricardo Wanke
 
 

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