Zurück

Altes Rathaus

Postkarte "Marktplatz mit Rathaus" um 1890

Bereits Ende des 14. Jahrhunderts werden die ältesten Teile des Cottbuser Rathauses auf dem Altmarkt erbaut. Zu diesem gehört auch der Ratskeller, der einzige Ort in der Stadt, an dem ortsfremde Biere und Weine ausgeschenkt werden dürfen. Da der Ratskeller einen nicht unerheblichen Teil an Finanzen in die Stadtkasse einspielt, wird er bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts vom Rat der Stadt selbst betrieben. Danach erfolgen zahlreiche Verpachtungen, durch die der Ratskeller weiter betrieben werden kann.
Nachdem im Jahre 1542 der Rathausturm vom Blitz getroffen wird und dabei zerstört wird, dauert es 3 Jahre bis er 1545 wieder das Stadtbild schmückt. Gute 60 Jahre später, im Jahr 1607 erhält der Rathausturm eine Glocke mit eingeprägtem Stadtwappen. Diese Glocke verkündet den Cottbusern von fortan die Zeit und läutet im Viertelstundentakt.
Im März 1671 bricht in der Stadt Cottbus der bis heute größte Stadtbrand aus, durch welchen fast die gesamte Stadt niederbrennt. Auch das Rathaus wird von den Flammen nicht verschont und brennt bis auf die Grundmauern nieder. Es dauert 19 Jahre das Gebäude wieder herzurichten. 1690 wird mit Fertigstellung des Rathausturmes der Wiederaufbau des alten Rathauses abgeschlossen. Der Turm besitzt nun eine Höhe von 43 Metern und prägt neben den Türmen der Oberkirche, der Schlosskirche, dem Spremberger Turm und dem Schlossturm entscheidend das Stadtbild.
Durch ein mittlerweile beträchtliches Alter des Gebäudes wird 1746 der Neubau der Vorderseite zum Marktplatz beschlossen. Dieser Neubau hält jedoch lediglich 2 Jahre und stürzt am 08. November 1748 wieder ein. Bei dem darauf folgenden Neubau werden weitere Teile des Rathauses mit in Angriff genommen, und so entsteht neben der Fassade unter anderem auch in Sitzungssaal im Haus.

Die nächsten einhundert Jahre zeichnen sich vor allem durch verschiedene Ausbauten des Rathauses, sowie immer wieder notwendige Reparaturen des Turmes aus. Grund dafür ist besonders die immer größer werdende Bedeutung der städtischen Verwaltung und die Unterbringung von zahlreichen, zur Verwaltung gehörenden Ämtern im Rathaus.
Nach Unruhen bei Demonstrationen auf dem Marktplatz und einer daraus folgenden Beschädigung des Rathauses wird 1849 eine Polizeiwache im Gebäude untergebracht, was für mehr Sicherheit im Stadtraum sorgen soll. Dies hat jedoch zur Folge, dass der Platz immer weniger wird und in den Jahren 1850 und 1851 ein vollständiger Umbau des westlichen Gebäudeteils vorgenommen wird. Der Umbau kostet die Stadt 17.000 Taler.
Die Stadt wächst immer weiter, und mit ihr auch die Verwaltung. Das Rathaus beherbergt immer mehr Ämter und platzt zunehmend aus allen Nähten. Auf Grund dessen wird ab 1884 ein zehn Jahre andauernder Umbau vorgenommen. Das Haus wird modernisiert, Räume werden erweitert und neu eingerichtet und es wird sogar eine Aktenbeförderungsanlage im Gebäude untergebracht. Abschluss des gesamten Umbaus stellt die Einweihung des neuen Ratskellers am 13. Juli 1895 dar, bei der auch Oberbürgermeister Werner auf die hohe Bedeutung des Trinkens für den Menschen hinweist.
Im Oktober 1908 wird in der Stadt eine elektrische Alarmanlage mit 28 öffentlichen Feuermeldern eingerichtet. Als Folge dessen wird die Feuerglocke im Rathausturm nicht mehr benötigt.

Ein großes historisches Ereignis in der Geschichte des alten Rathauses, stellt auch die Einweihung der zu nagelnden Rathaustür  am 27. Januar 1916 dar. Bei dieser können die Bürger der Stadt Cottbus Nägel kaufen und diese in die Rathaustür einschlagen. Der daraus resultierende Gewinn soll die finanziellen Engpässe, die durch den Krieg entstehen, zumindest annähernd ausgleichen. 1920
zeigt sich die fortschreitende Modernisierung auch beim Rathaus. Der Rathausturm erhält eine elektrische Uhr, eine Feuermeldeeinrichtung und 3 Glocken. Zur Entlastung des Rathauses auf dem Altmarkt, erfolgt am 01. September 1934 die Grundsteinlegung für das neue Rathaus am Neumarkt.
In den letzten Kriegstagen wird das alte Rathaus durch einen Brand fast komplett zerstört. Die Ursache für das Feuer ist bis heute nicht zu einhundert Prozent geklärt. Es kann eine Folge des Bombenangriffs am 15. Februar 1945 sein, aber auch später beim Einmarsch der sowjetischen Armee Ziel von Brandbomben sein. Letztendlich ist der Schaden jedoch so groß, dass ein Wiederaufbau nicht möglich ist und die Ruine des alten Rathauses 1948 abgerissen wird. Die Verwaltung der Stadt Cottbus zieht in das reparierte Rathaus am Neumarkt. Dieses wird, auf Grund von Platzmangel, 1966 um eine weitere Etage aufgestockt und erhält damit das Aussehen, wie es auch heute noch zum Stadtbild gehört.

 

Quellen:
Krestin, Steffen: Das Cottbuser Rathaus. in: Cottbuser Blätter, Der Cottbuser Marktplatz. REGIA Verlag. Cottbus. 2001.
 
Bildquelle: Foto, Städtische Sammlungen Cottbus
 
Autor: Ricardo Wanke

Zurück