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Weihrauch, Otto

Am 14.02.1898 ist Otto Weihrauch in Oberaltstadt (Kreis Trautenau) geboren. Herr Weihrauch besucht 5 Klassen die Volksschule, 3 Klassen die Bürgerschule und 3 Klassen die gewerbliche Fortbildungsschule. Danach macht er eine vierjährige Ausbildung im Buchdruckergewerbe.

Von Februar 1917 bis Oktober 1919 dient er in der österreichisch- ungarischen Armee und wird anschließend als Gefreiter entlassen. Er wird Sozialist und tritt Anfang 1919 der Deutschen sozialdemokratischen Partei der Tschechoslowakei bei (Ende 1920 Ausschluss aus der Sozialdemokratie). Im März 1921 wird er  Vertrauensmann der kommunistischen Ortsorganisation in Gartitz bei Aussieg, Mitglied der Konsumgenossenschaft und Funktionär der „Internationalen Roten Hilfe“ und der „Internationalen Arbeiterhilfe“. Von 19391945 ist er als Oberbuchhalter im Elektrizitätswerk in Trautenau tätig. Anfang November 1945 geht er nach Deutschland (Luckenwalde)und arbeitet bei der Kreisleitung der KPD und als Referent.


Herr Weihrauch erhält mehrere politische Strafen: 4 Monate schwerer Kerker wegen Organisierung „bewaffneter“ Ordnerformationen in Aussieg, 6 Wochen strenger Arrest wegen Versammlungsrede in Aussieg und unzählige Polizeistrafen und Pressedelikte.


Ab dem 01.04.1946 ist Otto Weihrauch Oberbürgermeister in Cottbus und löst damit Max Döring ab. Herr Weihrauch hat zu dieser Zeit mit vielen Problemen zu kämpfen. Der Kältewinter 1946/47 löst große Mängel in der Versorgung der Bevölkerung aus. Es gibt weder Brennstoffe noch Wohnungen. Dazu kommen Rechtsunsicherheit und gravierende Probleme im sozialen Bereich, sowie die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Industriewaren sind knapp oder gar nicht verfügbar. Viele Geschäfte bleiben geschlossen. Aufgrund des hohen Mangels an allem was man zum Leben braucht, blüht der „Schwarzmarkt“ weiter. Mit der „Anordnung zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung“ vom 4. Februar 1949 ist eine Erleichterung deutlich spürbar. Im März 1949 wird die Kontingentierung des Stromverbrauches aufgehoben und ab Juni 1949 ist der Freiverkauf von Gemüse gestattet. Hinsichtlich des politischen Klimas in der Stadt gibt es keine Verbesserung. Oberbürgermeister Otto Weihrauch teilt Ende Oktober 1947 mit, dass die Entnazifizierungskommission 247 Fälle behandelt hat, wovon 195 positiv und 52 negativ entschieden wurden. Es kam auch in Cottbus weiterhin zu Verhaftungen und Unrechtsurteilen.
Auch der Oberbürgermeister bleibt von der Verhaftungswelle nicht verschont. Er wird am 3. Dezember 1949 durch das Innenministerium der Landesregierung verhaftet. Am 19. Juni wird er wegen Finanzmanipulationen, unterlassener Meldepflicht und persönlicher Bereicherung zu zehn Jahren Zuchthaus und einer Geldstrafe von 10.000 Mark verurteilt. Später versucht man, die unrechtmäßige Verurteilung, durch Verleihung einer hohen staatlichen Auszeichnung wieder gutzumachen. Diese wird  von Herr Weihrauch verweigert.
Otto Weihrauch stirbt am 05.03.1966 in Bad Doberan.

 

 
Quellen: Personalakte von Otto Weihrauch ; Zilz, Gerhard: Cottbus nach dem Ende des II. Weltkrieges bis zur Bildung der Bezirke (1945-1952).  In: Christl, Andreas; Christl, Gundula; Donner, Helmut et al.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994.
 
Bildquelle: Foto, Städtische Sammlungen Cottbus
 
Autor: Sabrina Slabke

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