Cottbus-Chronik

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 1917  

1917

  • Stetiger Währungsverfall macht den Cottbusern zu schaffen, es mangelte an Kleingeld. Deshalb beschließt die Stadt am 29. März 1917 eigenes Kriegsnotgeld aufzulegen. Auch die goldene Amtskette des Oberbürgermeisters wird geopfert und im Juli 1917 müssen die Kirchenglocken zum Einschmelzen gebracht werden.
  • Am 1. Januar 1917 fällt die Beimengung von Kartoffeln zum Brot weg. Künftig soll das Brot durch Beimengung von Gerste oder durch stärkere Rogen bzw. Weizenausmahlung gestreckt werden.
  • Am 18. Januar 1917 teilte der Magistrat mit, dass „für die Woche vom 15. Januar 1917 bis 21. Januar 1917 können entnommen und verabfolgt werden: 75 Gramm Weizengrieß zum Preis von 5 Pfennige auf Lebensmittelmarkte 1, ein Salzhering zum Preise von 35 oder 40 Pfennige auf Lebensmittelmarke 2 und 200 Gramm Brot auf Lebensmittelmarke 3".
  • Seit 1916 wurde an der Burger Chaussee ein Militärflugplatz angelegt. Die Ausbildung der Piloten der 12. Flieger-Ersatzabteilung beginnt am 6. Februar 1917 auf dem Cottbuser Flugplatz.
  • Am 29. März 1917 beschließen die Stadtverordneten, die goldene Amtskette des Oberbürgermeisters dem Krieg zu opfern und einschmelzen zu lassen. Als Ersatz sollte eine eiserne Amtskette in gleicher Form hergestellt werden. Die Versicherung teilte mit, daß die goldenen Teile der Amtskette durch eiserne ersetzt wurden und der Wert der Kette nur noch 300 Mark beträgt.
  • Die Stadtverordnetenversammlung beschließt am 29. März 1917, dass Cottbus eigenes Notgeld herausgibt.
  • Mit Genehmigung der Behörde ruft Sprachforscher und Pfarrer Gotthelf Schwela aus Dissen Ostern den sorbischen Unterricht als Privatunterricht wieder ins Leben, jedoch konnte er diesen nach Ostern 1919 nicht weiterführen.
  • Der Kunstmaler Heinz Sieger wurde am 17. April 1917 in Görlitz geboren. Nach seinem Studium lebte er zwischen 1960 und 1972 in Cottbus. Er schuf 1969 das Wandbild „Spreewald" aus Meißner Kacheln im Stadtmauerdurchbruch. Er erhielt 1963 und 1968 den Carl-Blechen-Preis. nach 1972 lebte er in Frankfurt/Oder und seit 1980 in Zempin (Insel Usedom). Heinz Sieger verstarb am 25. März 2002.
  • Dr. Käthe Rieken verstarb am 25. Mai 1917 in Cottbus. Die Archäologin wurde am 15. Juni 1865 in Schwerin geboren. Sie war mit dem Cottbuser Arzt Dr. Hermann Rieken verheiratet und lebte seit 1902 in Cottbus. Seit 1904 war sie Mitglied der Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde, betreute die Archäologische Sammlung und leitete mehrere wichtige Ausgrabungen in Cottbus und der Umgebung.
  • Auf dem Simonschen Fabrikgrundstück in der Zimmerstraße 37 explodierte am 16. August 1917 ein Kessel.
  • Johann Carl Sigismund Thiem stirbt am 7. September 1917 und wird auf dem Südfriedhof beigesetzt. Er war am 10. Oktober 1850 geboren und seit 1877 in Cottbus als Arzt tätig. 1885 gründete er gemeinsam mit Dr. Kühn eine chirurgisch-gynäkologische Privatklinik und eröffnete 1890 eine medico-mechanisches Institut. 1898 veröffentlichte er sein „Handbuch der Unfallheilkunde auf Grund ärztlicher Erfahrungen". Er war zwischen 1905 und 1915 Vorsitzender Meister der St. Johannis-Loge Cottbus., zwischen 1896 und 1914 war er auch als Stadtverordneter tätig. Er wurde 1914 Chefarzt des neuen Krankenhauses, dessen Bau er wesentlich befördert hatte, unter der Bezeichnung „Vereinigte Städtische und Thiemsche Heilanstalten". Noch zu seinen Lebzeiten wurde die Feldstraße im März 1914 in Thiemstraße umbenannt.
  • Im Vorgarten des Hauses Amalienstraße 8 zerschellte am 2. Oktober 1917 ein Flugzeug, der Pilot starb bei diesem Unfall.

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