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Lateinschule

Ansicht der Lateinschule, um 1860

Erste Nachweise einer Cottbuser Schule lassen sich um 1300 vermuten. In dieser Zeit erfolgt vermutlich die Gründung einer Lateinschule an der heutigen Oberkirche. Darauf weisen die Matrikel damaliger Universitäten hin. So sind zum Beispiel in der Matrikelliste der 1199 gegründeten Universität Bologna im Jahr 1300 ein „Cunradde de Kothebuz" und 1309 ein „Otto von Cottbus" als Studenten eingetragen. Die richtige Ersterwähnung einer Schule in der Stadt findet sich jedoch erst bedeutend später.

Im Gubener Stadtbuch wird „Jac. Domink, der alte Schulmeister in Cottbus" 1435 als Besitzer eines Hauses erwähnt. Dies ist die älteste schriftliche Erwähnung einer Cottbuser Schule. Zahlreiche Studenten an verschiedenen europäischen Universitäten lassen aber die Vermutung zu, dass hier schon früher eine Schule existierte. Es besteht auch die Möglichkeit, dass diese Studenten privaten Unterricht erhielten.

Besondere Aufmerksamkeit wird der Schule in den Jahren 1516 und 1517 zuteil. Da in Frankfurt an der Oder die Pest wütet, ordnet der Kurfürst eine Verlegung der dortigen Universität nach Cottbus an. Die Studenten und Professoren nutzen von August 1516 bis zum Frühjahr 1517 das Gebäude der Cottbuser Lateinschule sowie die Räumlichkeiten des Cottbuser Klosters. Während des Stadtbrandes im Jahr 1600 wird die Schule gänzlich zerstört.

Im Jahr 1820 ging aus der Lateinschule das „Friedrich-Wilhelms-Gymnasium" hervor. Doch die Lehrer sowie die aufstrebende Bürgerschaft sehnte sich nach einem repräsentativen und vor allen Dingen zeitgemäßen und größerem Schulbau. Unter anderem standen den fünf Lehrern nur drei Schulräume zur Verfügung. Außerdem mussten die Schüler ihre Pause auf dem gepflasterten Kirchplatz verbringen.

Erst im Jahr 1867 kommt es zum Neubau eines Gymnasiums in der heutigen Puschkinpromenade. Der Eröffnung des neuen „Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums" wohnten 385 Schüler und Gäste bei. Die alte Lateinschule wurde weiterhin als Schulgebäude genutzt. Fortan diente es als Elementar-, später als Berufsschule und als Polizeiwache. Mitte der dreißiger Jahre zieht das Stadtmuseum in die Räumlichkeiten ein. Das Haus erhält im Zuge der Bombardierung der Stadt vom 15. Februar 1945 einen Volltreffer. Zahlreiche museale Objekte verbrennen in den Flammen. Gerüchte besagen, dass ein Teil der Sammlungen vorher in Kisten ausgelagert wurden.

Das Cottbuser Lyzeum war viele Jahrhunderte ein Quell der Bildung in der Stadt. Zahlreiche regional und überregional bekannte Persönlichkeiten besuchten die Schule, unter ihnen beispielsweise Carl Blechen und Ludwig Leichhardt.

Autor: Robert Büschel

Abbildung: Ansicht der Lateinschule, um 1860, Städtische Sammlungen Cottbus

Quellen: Härtel, Ricardo: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Reichsgründung (1800-1871). In: Christl, Andreas u.a.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994.

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