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Hugenotten

Französische Bibel von 1693

Am 4.10.1701 gründen nach Cottbus eingewanderte Hugenotten eine französische Kolonie. Prediger Cabrit, erklärt sich bereits am 2.8.1700 bereit, zusammen mit weiteren 13 Familien nach Cottbus zu ziehen und am 28.6.1701 kommen sie in der Stadt an. Sie folgen damit den Spuren anderer Glaubensflüchtlinge; schon 1698/99 kamen Reformierte aus der Pfalz nach Cottbus.

Die Gläubigen, die sich nun in Cottbus niederlassen, beleben auch das hiesige Handwerk. Insbesondere die Strumpfwirkerei, die Gerberei, die Konditorei und die Tabakverarbeitung beherrschen sie. Mancher Cottbuser Geschäftsname, z. B. Toussaint, Pichon, Pischon und Matthieu, erinnert noch im 19. Jahrhundert an diese Traditionen.

Bereits am 18.12.1701 erhalten die französischen Glaubensflüchtlinge die seit dem Stadtbrand 1600 wüst liegende Katharinenkapelle an der Spremberger Straße zum Bau eines eigenen Gotteshauses. Die neuen Bewohner der Stadt leben zwar verstreut, bilden aber eine eigene Gemeinde ebenso wie die deutschen Reformierten. Als erster Prediger der hiesigen deutsch-reformierten Gemeinde wird 1691 Adrian Lengenfeld bestellt. Er erhält eine Wohnung auf dem Schloss, wo auch die Gottesdienste abgehalten werden. Einige Jahre später, per Dekret vom 9.8.1720, erhält die französische Kolonie erneut Zuwachs: Die neu eingewanderten Pfälzer und Wallonen werden ihr zugeteilt.

Religionsflüchtlinge kommen aber auch später noch nach Cottbus, so ziehen am 16.8.1732 Salzburger Emigranten, die auf Grund ihres protestantischen Glaubens ihre Heimat verlassen mussten, mit ca. 50 bis 60 Gepäckwagen durch die Stadt. Zu ihrer Unterstützung sammeln die Cottbuser 315 Thaler Reisegeld.

Die beiden Gemeinden der Hugenotten und der deutsch-reformierten Protestanten schließen sich 1757 zusammen. Henry Jacob Pichon tritt 1774 als letzter Richter der französischen Kolonie sein Amt an, anschließend verliert die französische Gemeinde auch ihre besondere juristische Stellung in der Stadt.

Siehe auch: Kirchen in Cottbus

Quellen:
Bauer, Udo: Zur Geschichte der Schlosskirche in Cottbus. In: Cottbuser Heimatkalender 2009. | Krönert, Hans-Hermann: Cottbuser Heimat-Lexikon. 400 Stichwörter von Altmarkt bis Zuschka. 450 Kurzbiografien von Adelheid von Cottbus bis Zollna, Theo. Unveröffentlichtes Manuskript. Cottbus 2008. | Liersch, Dora: Die Schloßkirche. In: Cottbuser Heimatkalender 1990.

Bildquelle: Fotografie, Städtische Sammlungen Cottbus

Autor: Steffen Krestin

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