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Städtisches Krankenhaus

Fliegeraufnahme des Städtischen Krankenhauses, um 1925

Die Geschichte des Gesundheitswesens unserer Stadt geht auf Mönche zurück, die sich um 1300 in Cottbus niederließen. Sie sammelten milde Gaben, um Kranke zu pflegen und durchreisende Arme zu unterstützen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt sich die Frage der Krankenhausbetreuung in einer neuen Dimension. Die Einwohnerzahl verdoppelt sich beinah von 3205 (1750) auf 6137 (1814). 1845 wird ein städtisches Krankenhaus eingerichtet. Dort befindet sich die Toilette auf dem Hof, die Abwässer werden durch eine Rinne ins angrenzende Feld geleitet. Außerdem führt das weitere Anwachsen der Stadtbevölkerung zu einer völligen Überlastung des Krankenhauses.

In diese Zeit fällt der Beginn des Wirkens Prof. Dr. Carl Thiems. Der 1850 geborene Mediziner lässt sich 1877 in Cottbus nieder. 1885 gründet er eine chirurgisch-gynäkologische Privatklinik in der Mühlenstraße. Sein besonderes Augenmerk gilt dem Gebiet der Unfallheilkunde. Er entwickelt orthopädische Geräte und schreibt zahlreiche Bücher auf diesem Gebiet.1898 erscheint sein „Handbuch der Unfallheilkunde auf Grund ärztlicher Erfahrungen". Damit gilt er als einer der Mitbegründer der Unfallheilkunde.

Er setzt sich außerordentlich für die Verbesserung des Gesundheitswesens in Cottbus ein. Der Traum seines Lebens wird mit dem Neubau des Städtischen Krankenhauses erfüllt. Thiem wird durch die Stadtverordneten verpflichtet, für den Neubau und die Überleitung seiner Klinik seine sachverständige Kraft unentgeltlich zur Verfügung zu stellen sowie im neuen Krankenhaus als Chefarzt zu fungieren. Nach 19 Monaten Bauzeit erfolgt die Eröffnung des neuen Städtischen Krankenhauses am 27. Juni 1914. Oberbürgermeister Paul Werner, Durchsetzer und Mitinitiator des Krankenhauses, bezeichnet in seiner Festrede Prof. Thiem als „geistigen Vater" des Krankenhauses. Nur drei Jahre kann der engagierte Mediziner seiner „Lebensaufgabe" dienen. Am 07. September 1917 verstirbt er infolge eines Herzinfarktes.

Fünf Wochen nach der Eröffnung bricht der erste Weltkrieg aus. Während dieser Zeit erfolgt die Nutzung des Städtischen Krankenhauses als Lazarett. Die Bettenzahl steigt auf das Doppelte der ursprünglich geplanten Größe von rund 330 Betten. 1933 verfügt das Haus bereits über 650 und 1944 über 900 Betten. Neben der Behandlung der Cottbuser Bürgerinnen und Bürger kommt während der Kriegszeit auch die Versorgung der verwundeten Soldaten hinzu. Durch die Bombardierung der Stadt Cottbus am 15. Februar 1945 wird der West-Flügel mitsamt OP-Trakt zerstört. Von 900 Betten sind 350 zerstört.

Der Wiederaufbau beginnt bereits im August 1945, wobei Ende 1947 alle Ausweichstellen in der Stadt geschlossen werden können. Nach der Ernennung zum Bezirkskrankenhaus 1953 folgen zahlreiche Erweiterungs- und Änderungsbauten. Im Jahr 1991 wird das einstige städtische Krankenhaus in Carl-Thiem-Klinikum umbenannt.

Heute verfügt das Klinikum über knapp 1.200 Betten und versorgt bis zu 100.000 Patienten pro Jahr. Mit rund 2.500 Mitarbeitern ist es der größte Arbeitgeber der Stadt Cottbus.

Quellen:
Carl-Thiem-Klinikum gGmbH: Unser Klinikum. Über uns. URL: https://www.ctk.de/klinikum/unser-klinikum/ueber-uns.html | Carl-Thiem-Klinikum gGmbH: Werden und Wachsen – ein hochmodernes Krankenhaus entsteht. URL: https://www.ctk.de/klinikum/unser-klinikum/historie.htmlChristl, Andreas u.a.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994. | Festschrift zur Einweihung des Neuen städtischen Krankenhauses (Vereinige städtische und Thiem’sche Heilanstalten). Cottbus 1914. | Küchner, Helmut: Cottbus mit dem Burger Spreewald. Cottbus 1993.

Bildquelle: Städtisches Krankenhaus Cottbus, Postkarte, um 1925, Städtische Sammlungen Cottbus

Autor: Robert Büschel

 

 

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