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Lungenheilstätte Kolkwitz

Ansicht der Lungenheilstätte, 1917

Moderne Lungentherapie besiegt die Tuberkulose.

Tuberkulose ist Anfang des 19. Jahrhunderts eine weitverbreitete Krankheit, mit oft tödlichem Ausgang. Allein in Cottbus ist die Zahl der Betroffenen zu dieser Zeit hoch und es sterben jährlich ca.100 Menschen.

Die Landesversicherungsanstalt Brandenburg wendet sich an die Stadt Cottbus, um betroffenen Menschen zu helfen und ihr Leiden zu lindern. Daraufhin schenkt die Stadt Cottbus der Landesversicherungsanstalt ein Grundstück in Kolkwitz, mit einer Größe von ca. 16 Hektar, zur Errichtung einer Lungenheilstätte. Der frühere Oberbürgermeister Paul Werner und Prof. Dr. Carl Thiem machen sich für die Anlage einer solchen Heilanstalt im Stadtforst von Cottbus stark.

Bereits am 02. August 1898 wird der Grundstein für den Bau gelegt. Vollendet ist das Bauwerk im Juni 1900. Am 13. Juni 1900 wird die Heilstätte in Kolkwitz offiziell eingeweiht. Der Entdecker der Tuberkulose und Cholera, Robert Koch, besucht bereits im Jahre 1901 die Heilstätten.

Die Lungenheilstätte in Kolkwitz hat eine jährliche Auslastung von 99,3%. Sie ist besonders auf die Behandlung weiblicher Tuberkulose-Patienten spezialisiert. Im Raum Cottbus sind viele Arbeiterinnen der Textilindustrie von der Infektionskrankheit betroffen.

Die Therapie in Kolkwitz beruht zunächst auf konservativen Maßnahmen, bis 1949 mit der Lungenchirurgie begonnen wird. Typische Behandlungsmethoden sind unter anderem vorerst das Einhalten einer strengen Bettruhe über Freiluftkuren, bis hin zur Aerosoltherapie. Zur Behandlung der Krankheit bietet die Lage der Heilstätte optimale Voraussetzungen für eine schnelle und gute Genesung.

Nach dem 1. Weltkrieg wird der Heilstättenbetrieb zeitweise eingestellt, weil die finanziellen Mittel fehlen. Erst 1924 normalisiert sich der Betrieb wieder. Besonders notwendig ist dies, weil die Zahl der Tuberkulose - Erkrankten erneut ansteigt.

Durch sinkende Fallzahlen der Tuberkulose wendet sich das Spektrum der Lungenkrankheiten. Während im Jahre 1938 bei einer Anzahl von 10.000 Erkrankten 6,2 sterben, sind es im Jahre 1949, bei einer Anzahl von 10.000 Erkrankten, 11,2 Menschen, die aufgrund der Folgen der Krankheit sterben. Auch heute gibt es noch zahlreiche Fälle von Infektionen. So werden zum Beispiel im Jahre 2013 4.318 Fälle dem Robert-Koch-Institut gemeldet.

Zum Ende des 2.Weltkrieges ist die Heilstätte in Kolkwitz hauptsächlich von Patienten aus dem Carl-Thiem-Klinikum belegt, weil dieses fast vollständig durch einen Bombenangriff zerstört wurde.

Die Heilstätte ist bereits im Jahr 1912 mit einem Röntgengerät sowie einem Operationszimmer ausgestattet, welche eine gute medizinische Versorgung sichern. Zur „Außenwelt" herrscht eine gewisse Abgrenzung. Es gibt neben einer Schweinemästerei, einen Damen- und Herrenfriseur, eine Zahnstation und eine Gärtnerin. Der größte Teil des Klinikpersonals wohnt auf dem Gelände der Heilstätte.

Mit dem Rückgang der Tuberkulose in der DDR zieht die orthopädische Klinik ein und Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, kommen nach Kolkwitz zur Rehabilitation.

Im Jahr 2007 geht eine Ära Cottbuser Krankenhausgeschichte zu Ende. Die 3. Medizinische Klinik muss ins Haupthaus im Carl-Thiem-Klinikum ziehen, was das Personal und alle Beteiligten nicht gerade erfreut. Sie streben eigens eine Erneuerung der 1900 errichteten Lungenheilstätte an. Das CTK sieht das anders und will alle Klinikteile an einem Standort. Die angestrebten Kosten haben nicht ausgereicht, um auf dem neusten medizinischen Standard zu sein.

Das CTK ist Mieter von dem schön gelegenen und idyllischen Gebäude, welches unter Denkmalschutz liegt und der Deutschen Rentenversicherung Berlin/Brandenburg gehört. Seit Dezember 2007 steht das Gebäude leer und verwaist. Mittlerweile gehört das Gebäude einer Vermögensgesellschaft, welche aus dem Areal Wohnraum schaffen will, aber bis heute ist leider noch nicht viel passiert.

Quellen: Cottbuser Monatsheft 1959 | Korsten, David u.a.: "Das Krankenhaus, eine Zierde der Stadt". Cottbus 2014. | Lausitzer Rundschau vom 27. November 2007 | Christl, Andreas u.a.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994.

Bildquelle: Ansicht der Lungenheilstätte Kolkwitz, 1917, Postkarte, Städtische Sammlungen Cottbus

Autorin: Ann-Kathrin Kroll

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