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Jungsteinzeitliche Keramik von Uhyst (Spree)

Abb.: Günter Wetzel

Eine ungewöhnliche Verzierung – jungsteinzeitliche Keramik von Uhyst an der Spree, heute Lkr. Görlitz

Die archäologische Denkmalpflege, auch Bodendenkmalpflege genannt, ein Wort, das es im Duden nicht gibt, ist als staatliche Organisation in Deutschland entsprechend der Kulturhoheit der Länder stets an deren Grenzen gebunden. Dieses Prinzip war seltsamerweise, oder soll man glücklicherweise sagen, auch zu DDR-Zeiten üblich. Zwar wurden die Grenzen der bis 1952 bestehenden Vorkriegsländer hier und da geändert, das Land in Bezirke aufgeteilt, aber die archäologischen Institutionen wurden für die jeweils den alten Ländern entsprechenden Bezirke eingerichtet. In Potsdam war es das 1953 gegründete Museum für Ur- und Frühgeschichte im Schloss Babelsberg, das für die drei brandenburgischen Bezirke Potsdam, Frankfurt und Cottbus unter dem Dach des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen als nachgeordnete „Oberbehörde" zuständig war. So kam es, dass auch die beiden „Altkreise" Hoyerswerda und Weißwasser in der nördlichen Oberlausitz und der Altkreis Jessen als Teil des Bezirkes Cottbus zum Zuständigkeitsbereich dieses Museums mit seiner Aussenstelle in Cottbus gehörten. Und so gelangten auch eine Reihe bedeutender Funde aus der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege und den Ausgrabungen in den Tagebaugebieten bei Bärwalde, Reichwalde, Scheibe und Nochten in die Sammlung des damaligen Bezirksmuseums Cottbus. Dort wurden entsprechend einer internen Regelung die meisten Funde aus der Region zentral gesammelt und die archäologische kommunale Sammlung zu der bedeutendsten der Niederlausitz und weit darüber hinaus. Dies sei zu der nachfolgend vorgestellten Scherbe vorangestellt.

Bei dem Stück handelt es sich um Aufsammlungen des ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers Heinz Trost aus Hoyerswerda, die er im Vorfeld des Tagebaues Bärwalde auf Dünen im Spreetal östlich von Uhyst (Spree) sicherte (heute der Bärwalder See). Von dem abgebildeten Scherben wurden vier Teile gefunden, die sich zusammensetzen ließen und damit eine ungewöhnliche Verzierungsweise offenbarten. Im Vergleich mit Gefäßen aus östlich liegenden polnischen Verbreitungsgebieten dieser „Stichreihenkeramik" genannten jungsteinzeitlichen Kultur kann man feststellen, dass es sich um einen Teil eines Kultgefäßes handelt. Zum Vergleich seien entsprechende Gefäße in Tierform (Abb. 2,1: Dobre, pow. Poznan) oder mit besonders reicher Verzierung versehene sogenannte „Vasen vom Typ Bschanz", nach einem Fundort bei Breslau, abgebildet (Abb. 2,2.5.6: Muchobór Mały [ehem. Breslau-Klein Mochbern]; Konary, pow. Inowrocław; Pysząca, woj. Wrocławskie [ehem. Bschanz]). Keramik dieser Zeit, wir befinden uns im Zeitraum von etwa 4800-4500 v. Chr., gehört zu den frühen Bauern unserer Region. Dass sie in der nördlichen Oberlausitz auf Dünen vorkommt, ist ungewöhnlich und kann mit Handel oder Wanderungen zusammen hängen. Abgesehen von einem ähnlich reich verzierten Stück von Hohenbrück, Lr. Dahme-Spreewald (Abb. 2,3) gibt es diesseits Oder- und Neiße bisher keine vergleichbaren Stücke. Zunächst also wie üblich verzierte normale Gefäßscherben entpuppten sich nach der Zusammensetzung als besondere Gefäßteile, die vor dem Bagger gerettet werden konnten und nun im Magazin schlummern.

Literatur:

Günter Wetzel, Die Jungsteinzeit in der Niederlausitz. In: F. Koch-Heinrichs, Das Ende der Steinzeit. Die ersten Bauern in der Lausitz. Begleitband zur Ausstellung Das Ende der Steinzeit – Die ersten Bauern in der Lausitz vom 08.02.2020-10.01.2021 (Kamenz 2020) 99 f., Abb. 8.

Abbildung: Günter Wetzel

Autor: Günter Wetzel

 

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