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Handspitze von Klingmühl

Ein Schülerfund mit Geschichte

Der Aufmerksamkeit und Ausdauer, dem geschulten Blick und nicht zuletzt dem Wissen des Schülers Alexander K. aus Klingmühl bei Sallgast ist zu verdanken, dass ein bedeutsamer Fund entdeckt und aufgrund damaliger gesetzlicher Regelungen in die Sammlung des Museums Cottbus gelangte.

Archäologische Funde werden entweder durch Zufall bei Erdarbeiten oder an der Oberfläche oder durch zielgerichtete Suche entdeckt. Letzteres ist heute durch die Sondengänger ein weit geübtes Hobby, zum Segen und auch zum Fluch für die Archäologie. Bei der Suche mittels Sonde werden die unscheinbaren Relikte vergangener menschlicher Existenzen, die nicht aus Metall bestehen, wie Produkte aus Stein oder Keramik, aber auch Objekte aus Holz und Knochen, meist übersehen. Für sie ist ein geschulter Blick notwendig. Den hatte der Schüler zweifellos, als er in der Kiesgrube bei Klingmühl die abgebildete Feuersteinspitze entdeckte.

Es handelt sich um einen klingenförmigen Abschlag, 7,4 cm lang und 4,0 cm breit, 1,1 cm dick, der aus einer Feuersteinknolle abgeschlagen wurde, wovon noch Reste der Außenrinde auf einer Seite zeugen. Die Seitenkanten dieser Rindenseite sind retuschiert. Damit wurde eine Stabilisierung der Schneidenkante erreicht. Der Werkstoff ist ein brauner, schwach patinierter Feuerstein.

Die Handspitze lag an der Basis der aufgelassenen Kiesgrube, eine geologische und zeitliche Einordnung war damit nicht möglich. Anhand der Form kann sie in das Eem-Interglazial bis hin zum Weichsel-Frühglazial, etwa den Zeitraum von 127.000 bis ca. 80.000 v. u. Z., eingeordnet werden. Da die Ablagerungen an der Stelle zur Saaleeiszeit gehören, also älter sind, hat sie vermutlich oberflächennah gelegen und könnte als Zeugnis früherer Jagd gesehen werden. Die Handspitze wird auch als Lanzenspitze gedeutet. Es ist damit eines der ältesten Fundstücke der Cottbuser Sammlung und darüber hinaus eines der ganz wenigen Zeugnisse aus der Zeit des Neandertalers in Brandenburg.

Quellen / Literatur: A. Lehmann, Eine mittelpaläolithische Spitze von Sallgast. In: Ausgrabungen und Funde 34, 1989, 49-51, Abb. 1; E. Cziesla, „Spitzen-Technologie" der letzten Rentierjäger. In: Franz Schopper, Detlev Dähnert (Hrsg.), Archäologie in der Niederlausitz. Frühe Geschichte einer Region im Herzen Europas / Archaeology in Lower Lusatia. Early history of a region at the haert of Europe (Cottbus 2012) 40-50; Eberhard Bönisch, Marcus Schneider, Neandertaler in der Niederlausitz. Ausgrabungen auf dem ältesten Fundplatz des Landes Brandenburg. In: Ausgrabungen im Niederlausitzer Braunkohlenrevier 2011/2012. Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 27 (Wünsdorf 2014) 17-43, hier bes. S. 39 u. Abb. 33.

Bildquelle: BLDAM

Autor: Günter Wetzel

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