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Geselliger Verein Wintergarten

Landhaus des Großkaufmanns Keyling in Keylings Weinbergen

Cottbuser „selbständige Bürger" gründen am 15.2.1793 den „Verein zur freundlichen Unterhaltung und Erholung", der später „Societät" genannt wird. Die Societät tagt unter anderem beim Kaufmann Bange (Restaurant „Schwarzer Adler", heute Sandower Straße 59) oder beim Zinngießer Richter („Königs Bierhaus", heute Sandower Straße 57). Der Zweck der Societät besteht in der moralischen Bildung der Mitglieder durch „Vorstellungen, Urteile und Sitten anderer rechtschaffener Menschen zu vervollkommnen und nach den täglichen Berufsgeschäften Erholung zu suchen." (S. 7) Jeder Streit, Rangsucht oder Neid soll im Keim erstickt werden.

Die Unzufriedenheit einzelner Mitglieder führte zur Gründung eines neuen Vereins – dem Geselligen Verein – am 23. November 1814. Nachdem unterschiedliche Räumlichkeiten für die abgehaltenen Veranstaltungen angemietet wurden, erwerben elf Mitglieder des Geselligen Vereins Teile der ehemaligen „Keylingschen Weinberge". Der Bereich des Wintergarten befindet sich zwischen der heutigen Görlitzer Straße und der Pyrastraße. Auf dem Grundstück befindet sich neben dem Hauptgebäude auch ein angebauter Festsaal sowie eine Kegelbahn und Tennisplätze.

1832 erwirbt der Gesellige Verein zahlreiche Lorbeer-, Granat- und Orangenbäume, welche im Winter in einer Orangerie untergebracht werden. „Im Winter wurde die Orangerie an zwei Tagen der Woche besser geheizt und die Damen der Gesellschaft pflegten dann nachmittags in diesem ‚Wintergarten‘ unter den südländischen Bäumen ihren Kaffee einzunehmen. Diese Gewohnheit hat dem Geselligen Verein den Namen ‚Wintergartengesellschaft‘ eingebracht." (S. 22) Zahlreiche Vergnügungen, z.B. gemeinsames Spargelessen, Gesangsvorträge und sportliche Wettkämpfe, prägen das Bild des Vereins.

Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges übergibt der Gesellige Verein das Wintergartengrundstück zu Lazarettzwecken an die Heeresverwaltung. Bis zum Oktober 1919 wird es in dieser Form insbesondere für Lungenkranke genutzt. Nach dem ersten Weltkrieg muss das gesamte Gebäude ausgebessert werden. Ein Brand im November 1924 sorgt beinah für die völlige Zerstörung. Der Neubau des Gebäudes wird ein Jahr später abgeschlossen. Im neuen Wintergartenlokal finden zahlreiche öffentliche Feste, Empfänge und Tagungen statt. Auch die Ozeanflieger Chamberlin und Levine werden hier bewirtet und gefeiert.

Die Chronik des Geselligen Vereins Wintergarten zu Cottbus endet im Jahr 1929. Der Verein besteht jedoch weit über diese Zeit hinaus. Im letzten verfügbaren Adressverzeichnis der Stadt Cottbus von 1940 ist er noch aufgeführt. Wie sich das Vereinsleben in dieser Zeit entwickelte, könnte Gegenstand weiterer Recherchen und Forschung sein. Das Wintergartengelände wurde hingegen am 15. Februar 1945 stark zerstört. Auf dem früheren Wintergartengelände befinden sich heute mehrere Wohnhäuser sowie der Bürokomplex in der Straße der Jugend 1933. Durchbrochen wird das Gelände heute durch den Stadtring.

Quellen: Cottbuser Zeitung. (1987) Heft 6. Zweitlängste Verkehrsader der Stadt.| Herold, Volkmar: Vom Ende des Dreißigjährigen Krieges bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. In: Christl, Andreas; Christl, Gundula; Donner, Helmut et al.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994. | Schmidt, Fritz: Geschichte des Geselligen Vereins Wintergarten e.V. zu Cottbus. Cottbus 1929.

Bildquelle: Grafik, Gustav Franke, verm. um 1850, Quelle: Schmidt, Fritz: Geschichte des Geselligen Vereins Wintergarten e.V. zu Cottbus. Cottbus 1929.

Autor: Robert Büschel

 

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