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Freimaurerloge "Zum Brunnen in der Wüste"

Die Entwicklung der Freimaurerei in Cottbus

Freimaurerlogen wurden vor allem in den bis dato wenigen Städten gegründet, in denen sich wirtschaftliche Kraft in Gestalt von Handel und Wandel mit dem unruhigen Geist von Intellektuellen, Künstlern und Schriftstellern paarte. Umso mehr überrascht, dass es auch in der Kleinstadt Cottbus bereits 1797 zur Gründung einer Freimaurerloge kam. Cottbus hatte um 1790 nur ca. 5.400 Einwohner und das Stadtgebiet beschränkte sich noch auf das von der Stadtmauer umschlossene Terrain.

Die Cottbuser Freimaurerloge wurde als 82. Tochter der "Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland" durch sieben Persönlichkeiten gegründet: 

Christian Zacharias Schmidt, Geistlicher Inspektor | Gottlieb August Keyling, Kaufherr | Christian Friedrich Bolzenthal, Prediger an der Oberkirche | Johann Gottlieb Schütze, Prediger | Georg Christian Wißgott, Wundarzt | Christian Ludwig Ohnesorg, Kaufmann | Johann Gottlob Kühn, Buchdruckereibesitzer

Die Mitglieder der ersten Jahre sind kaum überliefert. Adrian Blechen, Vater des Malers Carl Blechen, wird oft eine Zugehörigkeit zur Cottbuser Loge nachgesagt. Ein Indiz dafür ist beispielsweise ein Eintrag Blechens in einem Poesiealbum aus dem Jahr 1792. Bei dem Sinnspruch handelt es sich um eine Strophe aus dem Lied „Bey Aufnahme eines Bruders", welches z.B. in „Vollständiges Gesangbuch für Freimaurer" veröffentlich ist. Mitglieder waren unter anderem die Oberbürgermeister Johann Gottlob Roemelt und Paul Werner sowie zahlreiche weitere bis heute verdient gemachte Bürger dieser Stadt.

Das vorläufige Ende der Freimaurerei in Cottbus

In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Probleme übernahm Franz Sack (1874 - 1957) das Amt des Logenmeisters. Von Beruf Juwelier hatte er 1898 das gleichnamige Juweliergeschäft übernommen, welches sich seit 1910 in der Spremberger Straße/Ecke Schloßkirchplatz befand. Er war in dieser schweren Zeit bemüht, die Ideale der Freimaurer gegen die aufkommende Barbarei zu verteidigen. Im Gegensatz zu den Freimaurern versuchten die Nationalsozialisten die sozialen Spannungen nicht abzubauen. Vielmehr gerieten die Freimaurer in den Fokus der nationalsozialistischen Ideologie.

Mit dem Ziel, das Logenhaus für kulturelle und humanistische Aufgaben zu erhalten, verhandelte Sack mit der Stadt Cottbus am 24.05.1934. Die SA hatte mit der Besetzung des Hauses schon vollendete Tatsachen geschaffen. Die Räumung des Gebäudes seitens der SA wurde in einem Schreiben der Staatspolizei vom 28.08.1934 abgelehnt. Angeblich solle dies "die öffentliche Ruhe und Ordnung stören, insbesondere Ausschreitungen gegen das Logengebäude und die einzelnen Logenmitglieder [seien zu] befürchten". Ausgedrückt werden sollte damit, dass die SA mit der Besetzung der Loge Gewaltmaßnahmen der Cottbuser gegen das Gebäude und die Logenmitglieder verhindert habe. Eine höhnische Begründung in einer Stadt, in der 1933 noch 250 Mitglieder sich trotz des sich verstärkenden Terrors zu ihrer Loge bekannten und in der freimaurerisches Denken im Laufe ihrer Geschichte so viel Bleibendes geschaffen hatte.

Ein Neubeginn

Obwohl die Freimaurerei in der DDR im eigentlichen Sinne nicht verboten war, kam es nach dem Ende des Nationalsozialismus zu keinem Neubeginn. In Cottbus existierte 58 Jahre keine Loge, obwohl es natürlich viele Menschen gab, die als "Freimaurer ohne Schurz" meist unbewusst die freimaurerischen Ideale pflegten.

Erst nach der gesellschaftspolitischen Wende in der DDR wurde mit organisatorischer Unterstützung Berliner Brüder im Jahre 1993 die Loge "Zum Brunnen in der Wüste" wieder errichtet. Das einstige Logengebäude wurde wieder an die Loge übergeben, musste jedoch wieder verkauft werden. Es ist zu hoffen, dass es den Mitgliedern vergönnt ist in der Zukunft genauso segensreich für Cottbus zu wirken wie es den längst in den "ewigen Osten" eingegangenen Brüdern von Bolzenthal bis zu Franz Sack vergönnt war.

Quellen: Krüger, Joachim: Fragmente zu einer Geschichte der St. Johannis-Loge Zum Brunnen in der Wüste Cottbus 1797 - 1997. Essen 1997.

Bildquelle: Internetseite der St. Johannis-Loge "Zum Brunnen in der Wüste". URL: www.zum-brunnen-in-der-wueste.de [Letzter Zugriff: 03.07.2017].

Autor: Robert Büschel

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