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Bombardierung von Cottbus

Die Lutherkirche brannte vollkommen aus.

Seit dem Herbst 1940 reißen Fliegeralarme die Cottbuserinnen und Cottbuser regelmäßig aus dem Schlaf. Am 03. Januar 1944 ist der Alarm in Cottbus erstmalig auch am Tag zu vernehmen. Nur drei Monate später (11. April) fallen die ersten Bomben auf Cottbus. Der Angriff galt den Focke-Wulff-Werken auf dem Flugplatz, vier Personen fallen dem Angriff zum Opfer. Die Fliegeralarme geben fortan den Lebensrhythmus der Stadtbevölkerung vor. Eine großflächige Bombardierung der Stadt bleibt vorerst jedoch aus.

Dies ändert sich schlagartig am 15. Februar 1945, wohl einem frühlingshaften Tag. „In diesen Tagen standen Eisenbahnzüge mit Flüchtlingen aus Schlesien und Ostbrandenburg im Bahnhof. Sie konnten wegen fehlender Lokomotiven nicht weiter befördert werden. Daneben gab es Wehrmachtsangehörige, die neu aufzustellenden Einheiten zugeführt wurden. Lazarettzüge und Munition transportierende Güterzüge verstopften zusätzlich den Bahnknotenpunkt Cottbus." Es ist scheinbar fast Gewohnheit, dass zur Mittagszeit die Sirenen zum Voralarm aufheulen. Zeitzeugen berichten, dass sie als Schüler die Hausaufgaben für die letzten Unterrichtsstunden nicht machten, da diese fast immer durch den Fliegeralarm ausfielen.

An diesem Tag erklingt nicht nur die Sirene, auch das Dröhnen von Flugzeugmotoren ist zu hören. Gegen 11.46 Uhr erreicht die Spitze des amerikanischen Bomberverbandes die Stadt Cottbus. Das eigentliche Primärziel, Industrieanlagen in Ruhland, wurde aufgrund von Wolken nicht angeflogen. Die in Cottbus zur Erde sinkenden Zielmarkierungen sind ein untrügliches Zeichen für den bevorstehenden Angriff auf die Stadt. Laut Heinz Petzold überfliegen in den darauf folgenden Minuten 435 Bomber vom Typ „B-17" die Stadt und werfen 1.064,5 Tonnen Bomben über der Stadt ab.

Um 11:51 Uhr schlagen die ersten Bomben südlich des Bahnhofs ein. Er ist das Hauptziel des Angriffs. Häuser am Lutherplatz und die Lutherkirche erhalten Volltreffer. Der anschließende „Tiedsche Industriehof", die Kaffeefabrik und die Möbelfabrik Oertling stehen in Flammen. Volltreffer erhalten Wohnhäuser in der Räschener, der Leipziger und der Finsterwalder Straße. Das Operationshaus des Krankenhauses wird völlig zerstört. Alle im Operationssaal tätigen Schwestern und Ärzte verlieren ihr Leben. Schwere Schäden verursachen die Bomben auch im Bereich der Gartenstraße, Drebkauer Straße, Dresdener Straße, Eilenburger Straße und Welzower Straße. Im Frauenzuchthaus (Bautzener Straße) verlieren 39 Frauen ihr Leben. Gegen 12:08 Uhr erschüttert eine besonders schwere Detonation das gesamte Gebiet der Stadt. Der Munitionszug war getroffen. Die Verwundeten im Lazarettzug und die Flüchtlinge in den anderen Zügen sind dem Inferno hilflos ausgeliefert. Die Bomben des letzten Geschwaders treffen gegen 12:25 Uhr den Branitzer Park und Sandow.

Willfried Sommer erinnert sich: "Während des Voralarms befand ich mich im Hof des Hauses Wilhelmstraße 15 […] Ein grelles Pfeifen setzte ein – im selben Augenblick erkannte ich kleine, silbergraue Punkte […] Das gegenüber in der Bahnhofstraße stehende Wohn- und Geschäftshaus Steudel bekam riesige Risse – danach kam ich im Keller unseres Hauses wieder zu mir. Nach Verlassen des Kellers sah ich: Die Häuser zwischen dem Eckhaus Marienstraße bis zum Hotel „Berliner Hof" waren nur noch Trümmerberge. Durch die Wilhelmstraße wälzten sich fluchtartig Menschen, vom Bahnhof kommend. Die Bahnhofstraße war nicht mehr passierbar […] Riesige Bombentrichter waren auf der Blechenstraße […] Überall lagen Leichen oder Körperteile von Menschen […] Ich sah im Rinnstein der Bahnhofszufahrt Menschenblut ablaufen […]"

Die bombardierte Fläche ist ungefähr 21 km² groß, 145 Industriebetriebe sind zerstört, es gibt etwa 1.000 Tote und 2.500 Verletzte. Mehr als 13.000 Menschen sind nach dem Angriff obdachlos.

Quellen:

Donner, Helmut; Herold, Volkmar; Zilz, Gerhard: Die NS-Zeit von 1993 bis 1945. In Christl, Andreas u.a.: Geschichte der Stadt Cottbus. Cottbus 1994. | Hirche, Marion: „Wenn der weiße Flieder wieder blüht…". Cottbus 2015. | Petzold, Heinz: Als für Cottbus der 2. Weltkrieg endete. Cottbus 2005.

Bildquelle:

Blick auf die Lutherkirche, Fotografie, um 1945, Städtische Sammlungen Cottbus

Autor: Robert Büschel

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