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 1945  

1945

  • Am 15.2. erleben die Cottbuser den schwersten Bombenangriff während der Kriegsjahre. 459 amerikanische B 17-Bomber befinden sich im Anflug auf Schwarzheide/Ruhland. Auf Grund der Wetterbedingungen können sie dieses Ziel nicht anfliegen und so wählen sie das Ausweichziel Cottbus. Den Schwerpunkt der Angriffe bildete der Eisenbahnknotenpunkt mit den Werkstätten. Die schwersten Zerstörungen konzentrieren sich auf die Südstadt, zahlreiche Wohnhäuser und Fabrikanlagen werden beschädigt oder zerstört. Auf dem Bahnhof richtet ein explodierender Munitionszug verheerende Schäden an. Zerstört werden auch Einrichtungen des Krankenhauses, die Lutherkirche und ein Teil des Gefängnisses. In Cottbus wird die Zahl der Opfer mit etwa 1.000 Menschen angegeben, die Zahl der Obdachlosen mit ca. 13.000.
  • Wenige Wochen später bereitet die Rote Armee die letzte Schlacht um Berlin vor. Cottbus wird zur Festung erklärt, am 16. April überschreiten die Truppen der Roten Armee die Neiße. Südlich umgehen sie Cottbus. Ab dem 19.4. ist die Stadt eingeschlossen. Am Morgen des 21.4. bereiten Schlachtflieger und Artillerie den Sturm auf Cottbus vor und schon am nächsten Tag wird die Stadt eingenommen. Die Bilanz der Kämpfe ist verheerend, die Schäden sind hauptsächlich im Stadtzentrum angerichtet. Das Alte ist gänzlich und das Neues Rathaus zum größten Teil ausgebrannt, ganze Wohnquartiere liegen in Trümmern. Die Oberkirche brannte vermutlich nach der Einnahme der Stadt aus, auch das benachbarte Museum verlor seine Bestände. Die Stadtwerke erlitten enorme Schäden, Gas-, Wasser- und Stromversorgung brachen zusammen. Am Ende dieses verbrecherischen Krieges waren in Cottbus etwa 60 % der Wohnungen und auch ca. 60 % der Industriebetriebe beschädigt. Einst lebten hier 55.000 Menschen, Ende April 1945 waren es nur noch ca. 3.000. Der Krieg war am 22.4.1945 für die Cottbuser zu Ende und damit auch eine zwölfjährige Schreckensherrschaft. In den ersten Tagen des Friedens finden aber auch die Cottbuser keine Ruhe; Plünderungen und Vergewaltigungen halten die Menschen in Atem, ebenso wie Erschießungen und die Verschleppung zahlreicher Einwohner der Stadt.
  • Schon am 22.4. forderte Kommandant Tscherwjakow Max Döring auf, das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen. Seine Amtszeit währte nur knapp ein Jahr, bereits am 5.4.1946 wird er durch den Oberlandrat Lufft seines Amt entbunden.
  • Das Leben kam nur langsam wieder in Gang, große Schwierigkeiten bereitet die Versorgung der Einwohner. Bereits am 3.5. wird mit der Ausgabe von Lebensmittelkarten begonnen und in den folgenden Tagen wird die erste Zugverbindung wieder befahren, Lehrer müssen sich in der Kommandantur melden und in den Betrieben beginnen die Aufräumungsarbeiten.
  • Am 19.5. wird Major Sawkin zum Stadtkommandanten ernannt, das Quartier bezieht die Kommandantur in der Promenade 11.
  • Am 20.5. fließt wieder Strom durch das Netz, und um 15.00 Uhr wird an diesem Pfingstsonntag in der „Wachsbleiche“ am Stadtpark ein Konzert durchgeführt. In den folgenden Tagen und Wochen können auch Gas- und Wasserversorgung wieder in Betrieb genommen werden und Ende Mai fahren die ersten Straßenbahnen wieder.
  • Das politische Leben beginnt von neuem, am 20.6. begründen sich wieder die Ortsgruppen der KPD und SPD. Wenig später, am 5.7. gründet sich die LDP und im August etabliert sich auch die CDU in der Stadt. Am 1.9. bilden die KPD und SPD einen „Einheitsausschuß“ in der Provinz Brandenburg und am 24.3.1946 beschließen KPD und SPD auf einem gemeinsamen Kreisparteitag die Vereinigung der beiden Parteien zur SED und wählen einen 1. Sekretär. Unter dem Schutz der Roten Armee beginnt der Aufbau eines Staates nach dem Vorbild der Sowjetunion. Zahlreiche Reformen auf dem Land, in Verwaltung, Justiz und im Bildungswesen werden flankiert von Maßnahmen der Entnazifizierung. Enteignungen von Industriebetrieben, willkürliche Verhaftungen und Deportationen sowie die einsetzenden Reparationsforderungen der Sowjetunion erschweren den Aufbau und bringen weitere Not und Elend.
  • Flüchtlinge bevölkern die Stadt, in der wieder etwa 35.000 Menschen lebten. Im September werden fast 12.000 Flüchtlinge gezählt, die zumeist einige Tage in Cottbus bleiben, ehe sie versuchten, weiter zu reisen. Während des Herbstes sterben mehr als 200 Menschen an einer Typhus- und Parathyphusepedemie.
  • Im Oktober wird der Schulbetrieb wieder aufgenommen, in den Textilbetrieben der Stadt hatten bereits etwa 200 Webstühle wieder mit der Arbeit begonnen.
  • Am 30.10. erlässt die SMAD den Befehl Nr. 124 zur „Beschlagnahme und provisorischen Übernahme einiger Eigentumskategorien in Deutschland“ und auf dieser Grundlage wird nun auch die private „Spreewaldbahn AG“ beschlagnahmt.
  • Am Ende des Jahres gibt es vier Flüchtlingslager in der Stadt, in denen etwa 1.200 Menschen Platz finden und trotz aller Schwierigkeiten beginnen die Menschen mit den mühevollen Aufräumarbeiten. Die Trümmer der Innenstadt werden in den späteren Puschkinpark verbracht, mancher Industriebetrieb wird von den Arbeitern wieder in Gang gesetzt.

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