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 1914  

1914

  • In der Stadt leben 50.139 Einwohner.
  • Die Knabenmittelschule, die bisher mit in der Realschule in der Bahnhofstraße untergebracht war, wird am 01.01. in die Gemeindeschule Sandower Straße 19 verlegt.
  • Nach 22 Jahren im Amt gibt Oberbürgermeister Paul Werner am 12.01. seinen Rücktritt aus Altersgründen bekannt. Seine Amtszeit prägt das Stadtbild von Cottbus bis heute wesentlich. Ihm wird am 26.03. die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Seine letzte Amtshandlung ist die Einweihung der Jubiläumsbrücke am 30.03. Gestiftet hat diese der Fabrikant Rottka anlässlich des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. Sie verbindet den Branitzer Park mit dem Volkspark in Madlow. Am 01.04. tritt Paul Werner offiziell zurück.
  • Einen Monat nach Paul Werners Rücktritt wählen die Stadtverordneten am 12.02. den Cottbuser Hugo Dreifert zum Oberbürgermeister. Er war bereits zwischen 1894 und 1905 als 2. Bürgermeister in Cottbus tätig.
  • Am 16.03. werden die ersten 60 Kranken in das neu erbaute Krankenhaus eingewiesen. Die Übergabe erfolgt am 31.03. mit einer "stillen Eröffnungsfeier", die Leitung übernimmt Prof. Dr. Carl Thiem. Die feierliche Einweihung des Krankenhauses als "Vereinigte Städtische und Thiemsche Heilanstalten" erfolgt am 27.06. In den folgenden Jahrzehnten erfährt der Gebäudekomplex zahlreiche Erweiterungen.
  • Im Mai richtet Frau Dr. Leipoldt, früher Schwester Karoline Möller, in Kolkwitz ein Haus für Erholungsbedürftige und Lungenkranke mit 30 Betten ein. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wird dieses Gebäude als Lazarett zur Verfügung gestellt, das sie auf eigene Rechnung leitet. Durch die Aufstellung von zwei Baracken in Kolkwitz können 80 Soldaten aufgenommen werden. Für ihre Tätigkeit wird Frau Dr. Leipoldt die "Rote-Kreuz-Medaille" verliehen.
  • Am 28.06. organisieren Sozialdemokraten und Gewerkschaften eine Protestkundgebung gegen den Krieg. Diese findet im Restaurant "Altmann", den späteren Stadtsälen statt.
  • In 50 Cottbuser Betrieben werden am 18.07. etwa 6.000 Textilarbeiter ausgesperrt, in der gesamten Niederlausitz sind es ca. 30.000 Arbeiter, die in 350 Betrieben ausgesperrt werden. Die Aussperrungen werden erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges am 31.07. beendet.
  • Der Kriegseintritt des Deutschen Reiches am 01.08. bringt für die Cottbuser zahlreiche Einschränkungen. So werden am 02.08. u.a. die Linien der Straßenbahn verkürzt, der Magistrat ruft am 04.08. dazu auf, keine Hamsterkäufe zu tätigen, da keine Notlage zu befürchten sei und erlässt Höchstpreise für Mehl, Salz und Kartoffeln. Am Gymnasium werden am selben Tag die ersten Notreifeprüfungen durchgeführt und am 05.08. finden auf kaiserlichen Befehl in den Kirchen "Kriegsgottesdienste" statt. Das Infanterie–Regiment Nr. 52 zieht am 08.08. durch ein Spalier der Einwohner zum Bahnhof. Schon am 10.08. kommen die Stadtverordneten zu einer Kriegssitzung zusammen. Zahlreiche Beamte waren bereits zum Kriegsdienst eingezogen worden. Die Stadt Cottbus stellt eigene Anleihen für Kriegszwecke zur Verfügung, um vom Erlös Lazarette einzurichten. Erste Sammlungen für die Kriegsfürsorge bringen 180.000 Mark ein. Die ersten Verwundeten aus dem Weltkrieg treffen Ende August im Krankenhaus ein. Es wird zum Lazarett umgerüstet. Die Zahl der Betten war ursprünglich auf 200 ausgelegt, nun wird die Kapazität ohne große bauliche Veränderung auf 330 Betten erweitert. Das erste Kriegsgefangenenlager wird am 04.09. mit dem Eintreffen eines ersten Transportes mit 7.000 Russen an der Rennbahn eröffnet, es ist für 10.000 Gefangene geplant. Am 28.11. wird ein erster Fall von Fleckenfieber bei einem gefangenen Soldaten festgestellt. Bis zum 31.12.1916 sterben etwa 400 Gefangene. Henrique da Rocha und Stanislaus Prowazek werden in das Cottbuser Kriegsgefangenenlager zur Bekämpfung der Seuche geschickt. Während Rocha an Fleckfieber erkrankt, jedoch später genest und im Frühjahr 1916 nach Hamburg zurückkehren kann, verstirbt der polnische Biologe und Arzt Stanislaus Prowazek schon am 17.02.1915. 1915 wird in Merzdorf ein weiteres Gefangenenlager eingerichtet. Erst 1921 verlassen die letzten 600 russischen Kriegsgefangenen die Stadt.

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