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 1908  

1908

  • In diesem Jahr werden u. a. die Dampfkesselfabrik J. M & A. Barth, die Zigarrenfabrik von Gustav Lohr und Sohn sowie die Malzkaffeefabrik von Richard Meyer gegründet.
  • Die Stadt kauft die Thiemschen Anstalten und beruft Prof. Dr. Carl Thiem zum Leiter. Thiem erhält durch den Magistrat die Berufung als Ärztlicher Leiter des zu errichtenden Neubaus des Städtischen Krankenhauses Cottbus.
  • Die „Großen Mühle" in Madlow wird in eine GmbH umgewandelt. In der Mühle werden täglich etwa 50 Tonnen Getreide vermahlen, die Ölmühle presst Leinöl und es wird noch eine Schneidemühle betrieben.
  • Die Vereinsbrauerei AG in Cottbus errichtet ein modernes Sudhaus für die Herstellung des Lagerbieres.
  • Der erste teil des Neubaus der Augustaschule in der Puschkinpromenade wird in Betrieb genommen.
  • Die Vollschrankenanlage an der Blockstelle Madlow (Hermann-Löns-Straße) der Strecke Cottbus - Görlitz wird in Betrieb genommen. Es handelt sich um die Bauart "Gast" mit vier mechanischen Hebeln.
  • Die Bebauung der Kaiserstraße erfolgt in diesen Jahren bis zur Tiegelgasse.
  • Der Arbeiterradfahrvereins "Solidarität" wird in Schmellwitz gegründet.
  • Die bestehende Gewölbebrücke über den Priorgraben in der Madlower Hauptstraße wird verstärkt und die Straße ausgebaut.
  • Die Stadt erwirbt Gelände am Ottilienhof für den Bau von Kleinwohnungen und Eigenheimen, nach einem Architekturwettbewerb erfolgt der Bau von 2 Musterhäusern. Das Projekt scheitert an zu hohen Kosten.
  • Am 22. 01. sinkt auf dem Schwielochsee der Dampfer "Cottbus".
  • Am 27. 01. tritt Dr. Pagé aus der Niederlausitzer Gesellschaft aus, da der Vorsitzende der Gesellschaft Dr. Jentsch für die Cottbuser Grabungen Kaethe Rieken und nicht ihn empfohlen hatte. Er fordert 220 Tongefäße aus der Altertumssammlung, die ihm gehörten, zurück. Zudem wurde ein Verwaltungsausschuss für die Sammlungen gewählt, dem die Archäologin Kaethe Rieken, Bürgermeister Varnhagen, Stadtrat a. D. Hugo Ruff, Superintendent Böttcher aus Forst, Hugo Jentsch angehörten. Robert Mehnert legt sein Amt als Konservator nieder, vermutlich waren Mißstimmigkeit zwischen ihm und Kaethe Rieken der Grund hierfür. Bei einem Besuch des Oberbürgermeisters Werner konnte ein Gemälde der Sammlungen durch Mehnert nicht aufgefunden werden. Außerdem werden die Sammlungen des Vereins für Heimatkunde in das städtische Gebäude Sandower Str. 22 umgelagert und hier ausgestellt. Im Städtischen Museum in der Sandower Straße 22 befindet sich bereits ein „Wendisches Zimmer".
  • Der Bildhauer Rudolf Enderlein wurde am 21.2. in Dresden geboren. Nach seiner Lehre als Holzschnitzer studierte er ab 1933 an der Kunstgewerbeschule Basel und ist seit 1936 freischaffend in Bautzen tätig. 1955 wird vor der neuen Poliklinik seine lebensgroße weibliche Aktfigur „Gesundheit" als Kunststeinguß auf einer Betonschale aufgestellt. Von ihm stammt auch die Bronzebüste von Gotthold Schwela, die 1984 in Dissen aufgestellt wurde.
  • Am 18. 03. sprechen sich die Gemeindevertreter von Schmellwitz sich fast einstimmig für die Eingemeindung nach Cottbus aus. Am gleichen Tag wird der Bau der Turnhallen der Mädchenmittelschule bewilligt.
  • In der Dresdner Straße wird am 18. 03. mit dem Bau der Unterführung unter den Eisenbahnlinien begonnen und anschließend werden die Keller der Häuser nun zum Erdgeschoß umgestaltet.
  • In der Stadt wird am 29. 03. das zweite stationäre Kino im Gasthaus „Fürst Bismarck" eröffnet.
  • Die Cottbuser Freimaurerloge „Zum Brunnen in der Wüste“ stellt den Bau ihres neuen Logengebäudes am 31.5. fertig.
  • Am 9.5. wird in der Madlower Heide das Walderholungsheim eingeweiht.
  • Die Stadtverordneten stellen am 17. 06. 750 Mark zur Beschaffung eines "Goldenen Buches" der Stadt bereit.
  • Am 28. 06. wird der Biologe Rolf Keilbach in Cottbus geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Cottbus studiert er in Wien, Göttingen und Halle. 1938 heiratet er die Cottbuserin Hildegard Noack. Zwischen 1953 und 1978 leitet er das zoologische Institut und das Museum an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Er verstirbt am 24. 9. 2001 in Greifswald.
  • Durch allerhöchsten Erlass wird dem Oberbürgermeister Werner am 12. 09. das Recht verliehen, bei geeigneten Anlässen die goldene Amtskette zu tragen. Am 29. 11. 1911 wurde diese von der Berliner Firma „Hofgoldschmiedemeister Sy und Wagner" für 2.059 Mark geliefert. Sie zeigte den brandenburgisch-preußischen Adler und das Stadtwappen von Cottbus und bestand aus 14-karatigem Gold. Am 29. 3. 1917 beschlossen die Stadtverordneten, die Golden Amtskette an die Goldsammelstelle abzugeben und dafür eine eiserne Amtskette zu beschaffen.
  • In Madlow wird am 27. 09. Johannes Werner geboren. Der Sohn eines Gärtners und eines Dienstmädchens besuchte von 1915 bis 1922 die Volksschule in Cottbus und erlernte anschließend einen kaufmännischen Beruf in der Niederlausitzer Kohlenhandelsgesellschaft Cottbus. Dort war er als Buchhalter und Abteilungsleiter tätig. Zwischen 1926 und 1931 nimmt er privat Kompositionsunterricht in Cottbus und Berlin. Er wird 1943 zur Wehrmacht einberufen und gerät an der Westfront in englische Kriegsgefangenschaft. 1945 wird er stellvertretender Einkaufsleiter im Nahrungsmittelwerk NACO Cottbus und ist als privater Musikerzieher tätig. Seit 1951 wirkt er als freischaffender Komponist, 1954 bis 1960 ist er künstlerischer Leiter der Deutschen Konzert- und Gastspieldirektion der Bezirke Cottbus und Frankfurt/O. der Mitbegründer des Bezirksverbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR wird 1981 Ehrenbürger der Stadt. Er hinterließ ein umfangreiches kompositorisches Werk.
  • Am 01. 10. wurde die elektrische Alarmanlage mit 28 öffentlichen Feuermeldern in Betreib genommen. Damit war die alte Feuerglocke im Rathaus nicht mehr notwendig und auch der Turmwächter abgelöst
  • Das alte Rathaus auf dem Marktplatz war schon seit längerem zu klein für die Verwaltung. Deshalb erwirbt die Stadt am 9.9. das Hotel zum Goldenen Ring Altmarkt 21. Geplant war, im Areal zwischen Marktplatz, Scharrengasse und Mühlenstraße die Grundstücke zu kaufen und hier einen größeren Verwaltungsbau zu errichten. Zunächst ziehen einige Bereiche der Verwaltung in das nun als Stadthaus I bezeichnete Gebäude. Im alten Theatersaal finden nun die Sitzungen der Stadtverordneten statt. Erstmalig tagen sie am 3.11.1909 hier.
  • Wenige Monate später, am 1.10.1908, erleben die Cottbuser die feierliche Einweihung des Cottbuser Stadttheaters. Seit dem 19. Jahrhundert wurde Theater im Gasthof zum Goldene Ring gespielt, nun besitzt die Stadt einen eigenen Musentempel. Am 1.11.1905 hatten die Stadtverordneten beschlossen, den alten Viehmarkt in Schillerplatz umzubenennen. Gleichzeitig fassten sie den Beschluss zum Bau eines Theaters. Der Berliner Architekt Bernhard Sehring gewann den Wettbewerb und am 1.6.1907 war Baubeginn. Der Vorhang hob sich zur ersten Vorstellung ein Jahr später und die Cottbuser erlebten Lessings „Minna von Barnhelm“. Zum Glanz des Cottbuser Theaters trugen die Bürger der Stadt wesentlich bei, der Rentier Clemens Ruff stiftete die Marmorplastiken der Venus und der neun Musen im Kuppelfoyer und der Fabrikant Max Grünebaum ließ in seiner Fabrik den großen Bühnenvorhang herstellen.
  • nach der Fertigstellung des Theaters wird nun auch der südliche Teil des Schillerplatzes zu einer Parkanlage umgestaltet, während der nördliche Teil des Platzes mit dem Springbrunnen erst 1956 neu gestaltet wurde. Ebenso wie an der Gestaltung der Anlagen an den Spreeufern und der Bepflanzung der Spreedämme wirkt hier der Cottbuser Verschönerungsverein aktiv mit.
  • Am 28. 10. erhält die Briesener Straße ihren Namen.
  • Am 31. 10. stirbt der Pfarrer der katholischen Kirche "Zum Guten Hirten" in der Dresdner Straße, Joseph Arlt. Zur Einweihung seines Grabmales sang der Kirchenchor auf dem Südfriedhof. Er war seit 1893 im Amt, führte 1906 ein neues Diozösangesangbuch ein und erstellte zum fünfzigsten Jubiläum der Kirche am 28. 10. 1900 eine „Chronologische Tabelle". Zu diesem Zeitpunkt zählte die katholische Gemeinde ca. 2.500 Mitglieder. Ihm folgt bis 1909 Max Wawrzik als Pfarrer.
  • Fünf Jahre nach der Inbetriebnahme der Cottbuser Straßenbahn werden die ersten Linien erweitet. So wird, nachdem die Unterführung in der Dresdner Straße fertig gestellt wurde, die Blaue Linie bis zum Südfriedhof am 20. 11. und am 19. 12. die Roten Linie bis zum Schützenhaus in der Kiekebuscher Straße verlängert.
  • Die Klosterkirche wird saniert, es wird neues Gestühl eingebaut und die Kirche am 01. 11. wieder eröffnet. Es erfolgen Ausbesserungen am äußeren Mauerwerk und die Verstärkung der Pfeiler. Das Nordfenster wird mit Maßwerk versehen und die Tür zur Sakristei wird zum Klosterplatz verlegt. In der Kirche wird durch die Orgelfirma Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder eine neue Orgel mit 24 Registern eingebaut.
  • Am 26. 11. wurde in der Berliner Straße das zweite Cottbuser Kino als "Tonbildttheater" eröffnet.
  • Der Tierschutz eröffnet am 26. 11. eine Geflügelschlachtstelle.
  • Die Cottbuser Beamten versammeln sich im Hotel „Weißes Roß" am 27. 11., um einen Wohnungsbauverein zu gründen. Der "Beamten-Wohnungs-Verein" wird am 30. 12. in das Genossenschaftsregister eingetragen und bereits 1910 werden die ersten Häuser in der Arndtstraße errichtet.
  • Mit der Einweihung des Kreishausneubaues am 18. 12. in der Kaiserstraße 12 durch den Regierungspräsidenten von Schwerin erhält die Kreissparkasse Cottbus-Land hier ihren Sitz.
  • Am 21. 12. beschließt die Generalversammlung des „Wohnungsvereins zu Cottbus der Preußischen Staatseisenbahnen" die Umbenennung in "Wohnungsverein zu Cottbus e.G.m.b.H.".

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