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 1905  

1905

  • In der Stadt leben 46.270 Einwohner auf einer Fläche von 23.521 Hektar.
  • Die alten Wall- und Grabenanlagen erfahren eine neue Gestaltung. Endgültig wird der Gerbereibetrieb am Mühlgraben eingestellt und es erfolgen am Mühlgraben Anpflanzungen, hier entsteht die Kastanienallee. Am Luckauer Wall werden durch die Stadt und den Verschönerungsverein die Anlagen neu gestaltet.
  • Paul Tanner, ein Schmiedemeister aus Peitz, läßt in der Berliner Straße eine neue Fabrik errichten und begründet damit die URANIA-Fahrradwerke.
  • In der Vetschauer Straße werden die Häuser vom Wohnungsverein erbaut.
  • In der Stadt wird eine Polizeischule und im städtischern Armenhaus eine Krankenstation für Prostituierte eingerichtet.
  • In der damaligen Feldsraße, heute ist dies die Thiemstraße, wird das Garnisonslazarett neu erbaut.
  • Sowohl in der Schloßkirche als auch in der Oberkirche wird eine elektrische Beleuchtung installiert.
  • An der „Preußischen Höheren Fachschule für Textilindustrie" wird ein öffentliches Warenprüfamt eingerichtet.
  • In diesem Jahr wird die vierte soziale Stiftung des Wilhelm Riedel wirksam. Er wurde 1829 in Cottbus geboren und kam durch seine strebsame Arbeit als Kaufmann und Unternehmer zu Reichtum. Nach 1896 errichtete er zahlreiche Einrichtungen, in denen vor allem Witwen und Waisen, Arme und bedürftige Hilfe und Unterstützung fanden. Am 3. 4. 1903 verlieh ihm seine Vaterstadt die Ehrenbürgerschaft. Noch heute erinnert das Riedelstift an seine Verdienste.
  • Nachdem am 5. 12. 1904 das neue Empfangsgebäude des Spreewaldbahnhofes in Betrieb genommen worden war, konnte am 9. 1. 1905 mit dem Abbruch des alten Bahnhofsgebäudes begonnen werden.
  • Am 27. 1. brennt in der Dresdner Straße ein Fabrikgebäude.
  • In Ströbitz wird am 29. 1. Heinrich Berger geboren. Er galt in der NS-Zeit als der beste Stenograph Deutschlands. Obwohl er keinen militärischen Rang bekleidete, stenographierte er zahlreiche Reden Hitlers mit. Bei dem Attentat auf Adolf Hitler am 27. Juli 1944 in der Wolfsschanze wurde er getötet, sein Grab befindet sich auf dem Ströbitzer Friedhof.
  • Amtlich wird die Schreibweise des Namens der Stadt am 10. 2. festgelegt: „Der Magistrat beschließt generell als amtlich die Schreibweise Cottbus mit „C" festzustellen", gezeichnet durch Oberbürgermeister Werner und Bürgermeister Dreifert. Die rechtmäßige Begründung hierfür verfaßte der Cottbuser Lehrer Franz Ruschke.
  • Mit der Gründung des „Vereins für Heimatkunde“ am 15.2. finden die Bemühungen von Hugo Dreifert einen erfolgreichen Abschluß. In diesem Verein finden sich zahlreiche Cottbuser zusammen, die sich der Erforschung und Propagierung der Regionalgeschichte widmen.
  • Die Stadtverordneten beschließen am 8. 3. den Magistrat zu ersuchen, eine Vorlage für den Neubau des Stadttheaters zu erarbeiten. Der Beschluß erfolgt dann am 1. 11. 1905 mit 26 Ja-Stimmen gegen drei Ablehnungen und 4 Enthaltungen. Drei Jahre später erhob sich auf dem Schillerplatz das neue Theatergebäude.
  • Zum 10. Stiftungsfest der freien Turnerschaft trafen sich am 21. 3. ca. 3.000 Sportler in Branitz.
  • Zu Ostern wird durch den Stadtbaurat Arno Pasig mit dem Aufbau der Präparandenanstalt begonnen.
  • Die Insel-, Müller- und die Feigestraße erhalten am 15. 4. ihre Namen.
  • Am 21. 4. 1905 wird der spätere Schriftsteller Herbert Scurla in Kleinräschen geboren. Er trat 1933 in die NDSAP ein und folgte als politischer Schriftsteller seiner Zeit den Ideen und Gedanken des Nationalsozialismus. Bereits 1934 wurde er Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin, und zwischen 1939 und 1945 war er als Oberregierungsrat im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung tätig. Er erlebte die Entnazifizierung 1945 und schulte zunächst zum Tischler um. Als Pseudonym wählte er u. a. den Namen Karl Leutner. Er war 1946 Herausgeber der Wochenschrift „Ja". Im Richard-Halbeck-Verlag verantwortlich für die Buchreihe „Meister des deutschen Humors" und 1948 Lektor im Verlag der Nation in Berlin. Seit 1951 lebte er in Cottbus und war hier Vorsitzender des „Carl-Blechen-Clubs". Herbert Scurla starb am 7. 4. 1981. Er hinterließ seitdem vor allem Biographien, z. B. über Heinrich Heine, Gotthold Ephraim Lessing, Rahel Varnhagen und die Brüder Humboldt und Grimm. Seit 1959 veröffentlichte er Essays über Forschungsreisende in Afrika, Asien und Amerika und begründete 1957 die Buchreihe „Deutsche, auf die wir stolz sind".
  • Im Mai wird mit dem Abriß des alten Gerichtsgefängnisses begonnen. Damit verschwinden die letzten Gebäude der alten Schlossanlage. Anschließend erfolgt der Bau des neuen Amtsgerichtes, die Architektur lehnt sich an die sogenannten Weserrenaissance an. Gleichzeitig wurde der Schloßberg archäologisch untersucht.
  • Am 6. 5. gründet der Cottbuser Pfarrer Haberland den evangelischen „Blaukreuzverein zur Bekämpfung der Trunksucht" in der Stadt.
  • Nachdem am 7. 8. bei Schleife zwei Schnellzüge zusammenstießen, 14 Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen waren, beginnt nun der zweigleisige Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Cottbus und Görlitz. Dieser Ausbau wird 1909 abgeschlossen. 1905 erhält zudem der Mittelteil des Bahnhofsgebäudes erhält eine Aufstockung.
  • In Cottbus wurde am 3. 9. Willy Jannasch geboren. Der Tischler wurde Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und später der KPD sowie der „Roten Hilfe". Zwischen 1934 und 1936 baute er eine illegale Widerstandsgruppe auf und wurde im Juni 1936 zu vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Er starb am 30. 9. 1938 and en Folgen der Mißhandlungen im Zuchthaus Brandenburg.
  • Am 27. 10. wird in Cottbus der Heilstättenverein gegründet.
  • Am 6. 12. wird der Bau der Sandower Schule von den Stadtverordnenten beschlossen.

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