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 1893  

1893

  • In Cottbus lebten 35.803 Menschen.
  • In Cottbus gab es 17 Brennereien, die 105.000 Liter reinen Alkohol produzierten und dafür 335.000 Mark Verbrauchssteuer zahlten.
  • Der "Fußballverein Germania" wurde von Wilhelm Mitschke gegründet, seine Mitglieder waren vor allem Handwerker, Handlungsgehilfen und junge Arbeiter. Er löste sich jedoch drei Jahre nach seiner Gründung wieder auf.
  • Die studierende Jugend der Ober- und Niederlausitz gaben in Burg ein Wendisches Gesangs-Concert.
  • Mehrere sorbische Gymnasiasten baten um Wiederzulassung des sorbischen Sprachunterrichts am Cottbuser Gymnasium, was aber strikt abgelehnt wurde.
  • Der Cottbuser Fotograf Richard Klau veröffentlichte "ein ALBUM mit Ansichten von Cottbus".
  • Ewald Müller, Dichter und Volkskundler des Spreewaldes, erhielt für seinen Gedichtband "Streusandbüchse" den Schillerpreis.
  • Die Realschule in der Bahnhofsstraße bekam einen Erweiterungsbau und eine Turnhalle.
  • Im Doppelschulhaus in der Wallstraße waren die Gemeindeschulen I (Knaben) und II (Mädchen) untergebracht. Diese wurden 1914 zur Wallstraße verlegt.
  • Erstmals wurde am 1.1. das neue Jahr durch die Glocken der Oberkirche eingeläutet.
  • Im Hintergebäude des Schneiderschen Brennerei-Grundstücks in der Berliner Straße kommt es am 12. 1. zu einem Brand. Am selben Tage brach im Duchschen Hause an der Promenade ein Feuer im Dachstuhl aus, das gegen Abend auf die erste Etage übergriff, aber schließlich gelöscht werden konnte.
  • In der Kreistagssitzung am 20.1. erfolgte die Mitteilung, dass die Kaufofferte des Cottbuser Magistrats für das alte Kreishaus in der Sandower Straße und das Kreisgefängnis am Klostertor zum Preise von 4.100 bzw. 4000 Mark angenommen wurde.
  • In einer Ausstellung Ende Februar der Cottbuser Teppichfabrik von Oskar Prietsch werden Teppiche präsentiert, die für die Weltausstellung in Chicago geplant sind.
  • Am 1.2. wird Assessor Dreifert in der Sitzung der Stadtverordneten an Stelle des verzogenen Syndikus Fritsche mit 34 zu 1 Stimme gewählt.
  • Die erste Sitzung der Kommission, die in Auftrag der städtischen Körperschaften, das Projekt der Einführung der Kanalisation und Wasserleitung in Cottbus vorbereiten sollte, fand am 8.2. statt. Es begannen die Vorarbeiten zur Lösung der Wasserversorgung in Cottbus. Das Rohrnetz wurde verlegt und der Bau der Brunnenanlage für das Wasserwerk erfolgte. Mit einem Gesamtaufwand von 1.100.000 Mark wurde bis 1896 die Wasserversorgung aufgebaut.
  • Die Konstituierende Generalversammlung des Gaues 22 (Cottbus) des „Deutschen Radfahrer-Bundes" fand am 12.3. im Casino- Saal statt.
  • Der "Cottbuser Anzeiger" meldete am 25.3., dass für die alten Häuser hinter der Oberkirche das letzte Stündlein geschlagen hat. In den nächsten Tagen soll das "Prediger-Witwen-Haus" abgerissen werden, nach Ostern folgten dann die übrigen fünf Gebäude.
  • Am 1.4. werden die Cottbuser Straßen und Häuser neu numeriert. Bisher erfolgt die Zählung der Häuser sowie der Grundstücke fortlaufend und nach Stadtvierteln. Nun führen auch die Cottbuser Straßennamen ein und die Häuser werden in den Straßen gezählt. Davon zeugen u.a. die Adreßbücher aber auch die neuen Stadtpläne.
  • Der Chausseebau von Vetschau nach Burg wurde im April in Angriff genommen und soll bis Oktober beendet sein.
  • Ende April verließ eine Gruppe der "Alten Herren" den „TV Cottbus 1861" und gründete den Turmverein "Friesen", später „CSC Friesen 1893". Sie benannten ihren Sportverein nach Karl Friedrich Friesen, einem Mitbegründer der deutschen Turnbewegung.
  • Der Kreistag lehnte am 7.4. die Eingemeindung von Sandow und Brunschwig ab.
  • Am 25.4. wurde Gotthold Swjelas Gesuch zur Wiedereinführung des sorbischen Sprachunterrichts am Cottbuser Gymnasium abgelehnt, "da der Bedarf an Geistlichen, die des Wendischen kundig sind, auch ohne diese Einrichtung gedeckt werde".
  • Am 1.5. erscheint in Cottbus das erste Auto. Es war ein Benzine-Patent-Motorwagen "Benz", der aus Forst kam. Die vier Insassen übernachteten im Hotel Ansorge und fuhren einen Tag später nach Berlin weiter.
  • Die Cottbuser Lehrerinnen, deren Zahl in den hiesigen Schulen seit Schuljahresbeginn vermehrt wurde, haben am 10.5., wie der „Cottbuser Anzeiger" vermeldete, einen Verein gebildet, um ihre wissenschaftliche und pädagogische Bildung zu erweitern.
  • Die "Freisinnigen Vereine" Cottbus und Spremberg stellten den Kaufmann Carl Blell aus Brandenburg a. H. einmütig als Reichstagskandidaten auf. Die erste "freisinnige Wählerversammlung" findet Ende Mai im "Kolkwitz'schen Lokal" statt. Es sprachen Kandidat Blell und der Schriftsteller Weigl aus Berlin.
  • Am 28.5. wird Mina Witkojc in Burg geboren.Minna Witkojc (Abbildung 12 Porträt WMC) starb am 11.11.1975 in Papitz.
  • Die konservative Partei nominierte Mitte Mai den Landtagsabgeordneten, Ernst von Werdeck, Rittergutsbesitzer auf Schorbus, als Reichstagskandidaten. Auch die Antisemiten erklärten sich für seine Person. Bei der Stichwahl zum Reichstage am 24.6. erhielten von Werdeck 10.176 Stimmen und Schulze aus Berlin 8.508 Stimmen.
  • Auf der ersten Cottbuser Radrennbahn fand am 30.5. an der Peitzer Chaussee findet ein "Großes internationales Frühjahrs-Velociped-Wettfahren" statt. Um 11 Uhr gab es ein Fest-Corso vom Berliner Platz durch die Stadt zum Hotel „Klose" und um 15.30 Uhr begann das Radrennen. Als Radsportler starteten damals der Zigarrenhändler Wieland, der Spediteur Paul, der Kornbrenner Böttcher und Werner Kammal. Der damalige Weltmeister August Lehr hatte wie sein Widersacher Heimann auf der Bahn große Erfolge. Zu jedem Renntag gab es am Sonntagvormittag einen großen Werbekorso durch die Stadt. Buchbindermeister Langheinrich aus der Neustädter Straße fuhr auf einem Dreirad mit dem Banner voran.
  • Der Cottbuser Anzeiger meldete am 7.7., dass Regierungsassessor von Wackerbarth zu Liegnitz kommissarisch mit der Verwaltung des Landratsamtes Cottbus betraut wurde.
  • Am 11.7. gründten 45 Arbeiter den "Arbeiter-Turnverein Cottbus" im „Lokal Loll", den späteren „Stadtsälen". Einen Monat später zählte der Verein bereits 108 Mitglieder. Frauen wurde die Gleichberechtigte Mitgliedschaft gewährt.
  • Der Cottbuser Arzt Gustav Moritz verstarb am 17.7. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym „Samota" den Roman "Samo, der Franke" und die "Spreewaldlieder".
  • Die Stadtverordneten beschlossen Ende September, den Begräbnisplatz der früheren Gemeinde Ostrow in einen öffentlichen Platz umzuwandeln und planieren zu lassen. Ab Oktober wurde der Ostrower Platz nun als Topfmarkt genutzt.
  • Auf Beschluss der städtischen Behörden vom 6.9. wurde der obere Teil des kleinen Turmes am Stadtgefängnis, der längst baufällig war, abgetragen. Bei den Abbrucharbeiten stürzte aber der ganze Turm von selbst ein, einige Räume des Gefängnisses, der so genannte „Brummstall" und die große Zelle, waren nun nach dem Berliner Platz zu offen.
  • Anfang Oktober erfolgte die Mitteilung, dass dem Superintendenten Büchsel von Gemeindemitgliedern 2.000,- Mark als Grundstock für den Bau einer evangelischen Kirche in der Spremberger Vorstadt übergeben wurden.
  • Die vor- und frühgeschichtlichen Ausstellung der „Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde" wurde am 15.10. von der Gemeindeschule VI. in die Realschule an der Bahnhofstraße und später in die Hubertstraße 1 verlegt. Nun besitzt das Museum zwei große helle Räume „in denen Repositorien und Schränke aufgestellt werden können."
  • Max Döring wurde am 4.11. in Cottbus geboren. Der Buchbinder war Mitglied der KPD und nach 1945 erster Bürgermeister der Stadt Cottbus. Er verstarb am 28.12.1974 in Cottbus.
  • Gymnasiasten der oberen Klassen führten am 1.12. im „Konzerthaus Kolkwitz" Schillers Schauspiel „Die Jungfrau von Orleans" in der Regie des Oberlehrers Engel auf.

     

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