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 1844  

1844

  • Eine Kabinettsorder zur Genehmigung der „Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn“ wird am 18.4. erteilt. Am 1.10. wird nun eine Aktiengesellschaft mit 273.000 Thalern zur Anlage einer Pferdeeisenbahn zwischen Cottbus und Goyatz gegründet. Im Hafen von Goyatz werden die Waren auf Lastkähne verladen und per Schiff weiter transportiert. Die Eröffnung der Pferdeeisenbahn auf der 31,5 km langen Strecke erfolgte am 24.6.1846. Die Pferdeeisenbahn wird 1879 stillgelegt und der Bahnkörper an einen Dresdner Unternehmer verkauft.
  • An der Berliner Straße entsteht ein Packhof, der gleichzeitig auch als Zollstation dient.
  • In der Taubenstraße ließ die Stadt zwischen 1844 und 1846 ein neues Krankenhaus errichte. Baumeister war Friedrich Wilhelm Kahle, von den zwölf Zimmern dienten neun als Krankenzimmer.
  • Der Baumeister Kahle wird zudem als Stadtverordneter berufen und erhält später die Aufgabe als Protokollführer.
  • In Cottbus wird eine altlutherische Gemeinde gegründet.
  • 1.161 Taler und 14 Silbergroschen und 8 Pfennige wurden von der Stadt für das Schulwesen ausgegeben. Da Schulgeldpflicht bestand, bedeutet das jedoch für den Magistrat nur 208 Taler aufzuwenden.
  • Jede Lehrstelle an der Cottbuser Bürgerschule war damals besonders dotiert. Für die zweite gemischte Klasse mit 106 Schülern erhielt der Lehrer Karl Bombe oder der Rektor Franz 180 Taler.
  • In "Merkur" bei Drebkau wird die erste Grube „Wilhelmine" erschlossen. Bald darauf fand man auch auf dem Rittergut Welzow Braunkohle.
  • Ismael Iwanowitsch Sresnewskij (1812-1880), einer der Begründer der russischen Slawistik, veröffentlicht nach seiner Reise 1840 durch die Lausitz in diesem Jahr eine historische Skizze, „die überhaupt die erste umfangreiche Arbeit über die sorbische Literatur" war (R. Jenc).
  • In Cottbus wurden nur noch 11.105 Tonnen Bier gebraut. Die aus Weizen hergestellten Biere wurden immer mehr durch die aus Hopfen und Malz hergestellten Bitterbiere verdrängt. Das einst berühmte Cottbuser Weißbier bleibt auf die Umgebung beschränkt.
  • Die Cottbuser Schützengilde geleitet König Friedrich Wilhelm IV. im feierlichen Zug vom Markt zu seinem Quartier bei Hofrat Wilcke und stellte dort eine Ehrenwache für die Nacht auf.
  • Direktor Reuscher vom Friedrich-Wilhelms-Gymnasium fordert „die Erweiterung des Bibliothek- und Apparats-Locals …". Das Gymnasium in Cottbus besuchen 171 Schüler. 6 ordentliche Lehrer (einschließlich Direktor) und je ein Hilfslehrer für Religionsunterricht sowie ein Hilfslehrer für Kalligraphie.
  • Seit 1844 gibt es Turnunterricht, der vorher streng verboten war.
  • In der hiesigen Tuchindustrie wurden insgesamt 12.270 Tücher hergestellt.
  • Caroline Friederike Rein, geb. Schulze, legt auf dem Gelände der ehemaligen „Wachsbleiche" eine Tabagie (Gaststätte) mit Kegelbahn „Zur Wachsbleiche" an.
  • Pfarrer Florian Birnbach verhandelt. 1844 und 1845 mit dem Cottbuser Magistrat zum Ankauf eines Grundstückes für den Bau einer katholischen Kirche. Angeboten hatte die Stadt das „alte Totengräberhaus nebst Eingang um alten Kirchhof vor dem Spremberger Thore", stattdessen wurde jedoch für 450 Reichstaler eine Baustelle „an der Chaussee gelegen, die Schweinebucht genannt" angeboten, dieses war jedoch zu klein und hätte den Mitkauf des benachbarten Hauses notwendig gemacht.
  • Zwischen 1844 und 1846 gab es Missernten in der Niederlausitz.
  • Das „Berliner Tor", aus Pfeilern und Gittern bestehend, wird angelegt und verschließt nachts bis 1863 die Stadtausgänge.
  • Der „Dicke Turm", in Höhe der heutigen Straßenbahnhaltestelle Stadtpromenade gelegen, gelangt in Besitz der Firma Melde, die ihn 1875 abreißen läßt.
  • Der letzte Wolf soll in diesem Jahr im Spreewald geschossen. Der Wolf wurde am 21. 01. vom Lieberoser Förster Liepe im Tauerschen Forst erlegt, er erhielt die alte Wolfsprämie von 10 Talern. Es waren insgesamt mehr als 20 Schützen und über 100 Treiber, meist aus Drachhausen, beteiligt.
  • Am 23. 7. 1843 ersucht es die Tuchmachergesellen C. E. Wasmuth und Wilhelm Eschenhagen, die ohne Meisterrecht die Tuchmacherei auf eigene Rechnung betreiben, sich binnen drei Tagen zum Eintritt in die Zunft zu melden, sonst würde die Konfiskation der Webstühle und Tuche beim Magistrat beantragt werden, Elias Wilhelm Eschenhagen wird am 11. 03. als Meister eingetragen.
  • Dr. R. J. Berger kauft am 24. 05. einen Parzellenstreifen am Ströbitzer Schwanenweg im Erbpachtkontrakt für die Einrichtung einer Waisenschule.
  • Paul Fahlisch wird am 27. 05. im Spreewalddorf Ragow bei Lübbenau geboren. Sein Vater war hier Lehrer.
  • In einem Circular des Königlichen Provinz Schul-Collegiums vom 01. 06. wird die Schulleitung des Cottbuser Gymnasiums angehalten, dass „Die Eß- und Trinkgelage bei Gelegenheit des Abgangs der zur Universität entlassenen Scholaren sollen entweder ganz abgestellt oder auf das strengste überwacht werden."
  • Carl Wilhelm Hoffmann erhält am 15. 06. für 38.000 Taler die Apothekergerechtigkeit für die Adlerapotheke.
  • Der Chausseeabschnitt Cottbus - Ströbitz der Berliner Chaussee wird am 14. 07. fertig gestellt und die Luckauer Straße in Berliner Straße umbenannt.
  • An der Cottbuser Bürgerschule wird nach einer Probelektion vor Superintendent Seegesmund Karl Bombe im Oktober gewählt als Leiter der Bürgerschule.
  • Der Frankfurter Lithograph Albert Heine übersiedelt im November nach Cottbus. Damit beginnt in Cottbus eine neue Periode im Druckereiwesen, da Heine hier eine moderne Steindruckerei einrichtete mit einem Schreibmaterialhandel.

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