Cottbus-Chronik

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 1892  

1892

  • In der Stadt leben 35.814 Einwohner.
  • Bis zum Jahr 1893 wurden in elf Cottbuser Brauereien 16.167 Hektoliter untergäriges Bier und 31.602 Hektoliter obergäriges Bier gebraut.
  • 1892/93 wurden In 15 Brennereien der Stadt wurden 106.542 Liter Alkohol erzeugt.
  • Der "Nordfriedhof" erfährt eine Erweiterung.
  • Erster Vorsitzender der Niederlausitzer Gesellschaft wurde Hugo Jentsch.
  • Für die Armenversorgung wurden in Cottbus 2 Mark je Einwohner verausgabt.
  • Am Bahnhofsgebäude wurde nach dem Vorschlag von 1887 eine öffentliche Fernsprechstelle in Betrieb genommen.
  • Am 3. Januar 1892 brannte die sogenannte „Priorfabrik" ab, „ein größeres industrielles Etablissement, in dem die Herstellung von Papier, Pappe u. a. betrieben wurde".
  • Carl Christian Dahle verstarb am 3. Januar 1892. Er hatte seit 1856 wendischen Unterricht am Cottbuser Gymnasium gegeben. Er war 1806 in Dissenchen geboren. Nach seinem Theologiestudium war er als Sorbisch-Dolmetscher am hiesigen Kreisgereicht angestellt. Er verfasste 1857 ein „Kleines Lehrbuch zur leichten Erlernung der niederlausitzisch-wendischen Sprache".
  • Das Ortsstatut der Gewerblichen Fortbildungsschule wird am 21.01.1892veröffentlicht.
  • In der Oberkirche wurde am 31. Januar 1892 eine neue Orgel der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder in Betrieb genommen. Sie wurde 1912 umgebaut und erweitert. Das Gestühl in der Oberkirche wurde nach einem Modell des Kunsttischlers Wendt aus Niesky hergestellt und zählte 1.600 Sitze. Der Chorraum wird gegen die Seitenschiffe durch ein Eisengitter abgegliedert, das der Cottbuser Schlosser Wagner nach Motiven aus der Lorenzkirche zu Nürnberg und der Elisabethkirche zu Marburg schmiedete. Die seit Herbst 1891 wegen Reparaturarbeiten geschlossene Oberkirche wurde am 06.03. wieder geöffnet.
  • Zum neuen Leiter des „Schramke’schen Gesangsvereins" wurde nach der Übersiedlung des Königlichen Musikdirektors Schramke nach Berlin am 22. Februar 1892 der Musikdirigent Graser aus Regensburg gewählt, dem gleichzeitig die Organistenstelle an der Oberkirche übertragen wurde. Ende Mai erfährt der bisherige „Schramke’sche Gesangsverein" eine Namensänderung und nannte sich nun „Musikverein Cottbus".
  • In Fehrow wurde am 3. März 1892 auf Anordnung der Regierung der Spreedamm auf eine Länge von 75 Schritt durchstochen, weil das Hochwassers in Burg bereits das halbe Dorf unter Wasser gesetzt hatte. Anfang März trafen zur Besichtigung der unhaltbaren Zustände in der Spreeniederung Regierungspräsident von Putkammer und Mitte März der Landwirtschaftsminister von Heyden in Cottbus ein. Sie unterzogen die Dämme von Striesow und Fehrow sowie die Hochwasserverhältnisse bis Burg einer persönlichen Prüfung. Ende März wird aus Striesow mitgeteilt, daß die Regierung gestattet habe, den seinerzeit von ihr veranlassten Dammdurchstich durch Wiederherstellung des Dammes auszugleichen.
  • Das Kreishaus wurde am 26. März 1892 als „Kreisstände-Haus" in der Bahnhofstraße eingeweiht. Baumeister Schulz erbaut das Gebäude, in die Verwaltung des Landkreises und die Wohnung des Landrates untergebracht waren. Auch die Kreissparkasse Cottbus-Land wurde nun im neuen Kreishaus untergebracht.
  • Am 30. März 1892 erfolgte die festliche Verabschiedung des 1. Bürgermeisters Dr. Mayer im Sitzungssaal des Rathauses durch die Beamten und Stadtverordneten. Paul Werner in Hamm erhielt seine Bestätigung als Ersten Bürgermeister von Cottbus am 7. April 1892 Er trat seinen Dienst am 1. Mai 1892 an und führte zunächst den Titel des 1. Bürgermeisters. Im Rathaus erfolgt die feierliche Einführung neuen Bürgermeisters Paul Werner am 3. Mai 1892 durch den Ober-Regierungsrat von Senden–Biberau. Am folgenden Tag wohnte Werner bereits einer Stadtverordnetensitzung bei. Am 5. Mai 1892 abends fand im Wintergarten ein Festessen zu Ehren Werners statt, bei dem der Gefeierte selbst eine längere Ansprache hielt.
  • Auf dem Cottbuser Post- und Telegraphenamt wurde am 1. April 1892 die mitteleuropäische Zeit eingeführt.
  • Pastor Wilhelm Speck aus Sonneburg wird am 1. April 1892 als Gefängnisgeistlicher nach Cottbus berufen und bleibt bis 1899. Sein Vorgänger war zwischen 1887 und 1892 Johannes Erhard Gansel und sein Nachfolger ab 1898 Willibald Fürchtegott, Johannes Höffner.
  • Im Zeitraum vom 8. April 1892 bis zum 10. September 1892 erfolgte unter der Leitung von Stadtbaurat Lippert eine Modernisierung des Krankenhauses in der Taubenstraße durch den Maurermeister Rost. Es wurde das Dachgeschoß ausgebaut und der Eingang zur Gartenseite verlegt. Ein OP-Raum, eine Warmwasserheizung, Bademöglichkeiten und zwei Zellen für „Irre" wurden eingerichtet und ein Desinfektions- und ein Chloroformapparat wurden angeschafft. Das Krankenhaus verfügte danach über 55 Betten.
  • In Cottbus wird Wilhelm Charlett am 2. Juni 1892 geboren. Er baut um 1909/1910 ein Flugzeug mit Bambusrohrrahmen und 9 Meter Flügelspannweite und unternimmt auf dem Cottbuser Exerzierplatz Flugversuche, um die Flugfähigkeit seiner Konstruktion zu beweisen. 1911 verläßt er Cottbus, ist im ersten Weltkrieg Marineflieger und später als Pilot tätig. Am 23. September 1927 findet er bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Schleiz den Tod.
  • Während eines Gewitters am 23. Juni 1892 schlug der Blitz in die Kirche von Sielow ein, wo er im Turm und im Schiff vielfache Verwüstungen anrichtete. Der Turm wurde dabei derart erschüttert, dass er abgetragen werden musste. Die zuständigen Behörden entschlossen sich deshalb grundsätzlich zum Neubau.
  • Die alte Parkschänke in Branitz wird Anfang August 1892 abgerissen und neu gebaut.
  • Im benachbarten Gallinchen brennen am 26. August 1892 20 Gehöfte nieder.
  • Richard Rottka gründete am 1. Oktober 1892 eine Tuchfabrik und spezialisierte sich auf Streichgarnherrenstoffe.
  • Am 30. Oktober 1892 fand ein Distanz-Preiswettlaufen für hiesige junge Herren über die Chaussee von Cottbus bis Muskau statt. Den Lauf über 36,6 km mit 21 Bewerbern legte der Sieger in 4 Stunden und 31 Minuten zurück. Der letzte Läufer brauchte 5 Stunden und 32 Minuten.
  • Das Dunkel um die Ermordung des berüchtigten Wilddiebes Bagola, einem Tischler aus Drachhausen wird Mitte Oktober 1892 gelichtet. Danach hatte der Arbeiter Bagola aus Kolkwitz, ein Neffe des Ermordeten, seinen Onkel bereits am 28. November 1888 im Tauerschen Forst erschossen. In einer Schwurgerichtsverhandlung im Dezember 1892 wurde der Angeklagte Arbeiter Christian Bagola unter Berücksichtigung mildernder Umstände zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Am 21. November 1892 wurde der betagte Schuhmachermeister Wilhelm Kruse am Bahnübergang der Halle – Sorau – Gubener Bahn zwischen Wehrbrücke und dem Vorpark von dem um 11.26 Uhr in Cottbus abgehenden Schnellzug überfahren und entsetzlich verstümmelt.
  • Der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Cottbus und Berlin wurde am 25. November 1892 abgeschlossen. Der Betrieb auf dem letzten Stück Lübbenau - Vetschau wird am 28. November 1892 eröffnet werden.
  • Der Postdirektor Hülsenkamp übt seit dem 1. Dezember 1892 bis 1907 sein Amt aus.
  • Das königliche Amtsgericht Cottbus trägt am 8. Dezember 1892. die „Kronen-Apotheke, Carl Fiedler zu Cottbus" als dritte hiesige Apotheke ins Firmenregister ein.
  • Wagenreiter Lehmann aus der alten Feldstraße 3 verletzte am Silvestertag 31. Dezember 1892 seine Frau mit einer Stange tödlich und ging dann zum Bahnhof, um sich von einer Rangiermaschine überfahren zu lassen.

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