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Frauenzuchthaus

ehemalige JVA; Bautzener Straße 140

Es liegt nun etwa 80 Jahre zurück, dass das in der Bautzener Straße 140 stehende, inaktive Gefängnis genutzt wurde, um politisch engagierte Frauen zu unterdrücken. Die Gefangenen haben notwendige Strategien entwickelt, um die menschenunwürdigen Konditionen überleben zu können und ihrem Ziel, die faschistische Diktatur zu beenden, näher zu kommen.

Ab Januar 1939 dient das im Jahre 1860 fertiggestellte Zentralgefängnis als Frauenzuchthaus. Die fanatische Faschistin und gleichzeitige Regierungsrätin Bockmann übernimmt ab 1940 die Leitung der Einrichtung. Ihre normale Belegung beträgt 350 Gefangene. Doch diese Zahl wird seit 1937 stets überschritten. Somit sind Einzelzellen anfangs mit zwei Gefangenen belegt. Zum Ende der faschistischen Herrschaft steigt die Anzahl auf maximal fünf Personen pro Zelle. Die Zellen sind mit einem Bett, einem Tisch, einem Kübel aus Aluminium und einem Tonkrug ausgestattet. Außerdem stehen in den beiden „Judenzellen“ in der dritten Etage des Zellenhauses je zwei Doppelbetten. Pro Zelle sind hier fünf jüdische Häftlinge untergebracht.
Doch bevor die Neuzugänge überhaupt ihre Zuchthausnummer bekommen, müssen sie all ihre Kleidungsstücke sowie ihr persönliches Eigentum, wie beispielsweise Schmucksachen, zur Aufbewahrung abgeben. Daraufhin kommen sie in das Reinigungsbad und werden in Folge dessen neu eingekleidet. Teil der Sträflingskleidung sind ein schwarzes Leinenkleid mit gelben Querstreifen rings um den Rock und kurzen Ärmeln, graue handgestrickte Wollstrümpfe mit knallroten breiten Streifen an der Wade, eine verwaschene graue Halbschürze und ungleich abgetragene Holzpantinen. In den Jahren zwischen 1938 und 1942 sorgen Zuchthausbeamte noch dafür, dass die Frauen regelmäßig saubere Leib- und Bettwäsche erhalten. Die Kleidung wird nach neun Monaten getauscht und die Bettwäsche nach 13 Monaten. Als sich der zweite Weltkrieg jedoch dem Ende nähert, wird der Wechsel der Wäsche mit steigender Gefangenenanzahl immer unregelmäßiger. Aufgrund dessen entscheiden sich viele Frauen dazu, ihre gut passenden Kleidungsstücke zu behalten und selber zu reinigen. Es werden auch Unterschiede zwischen Deutschen und Ausländerinnen gemacht. Letztere erhalten keine Bettwäsche und müssen somit auf den Matratzen mit unbezogenen Decken schlafen, welche nie gewaschen werden. Auch die Versorgung der Häftlinge mit Nahrungsmitteln liegt unter den normalen Lebensbedingungen. Die Verpflegung ist durch die „Vorläufigen Beköstigungsvorschriften für die Vollzugsanstalten der Reichsjustizverwaltung“ geregelt. Somit stehen jedem Gefangenen 450 g Brot pro Tag, 250 g Fleisch pro Woche und 250 g Fett pro Woche zu. Weiterhin gibt es morgens 0,5 l Wassersuppe und ein Stück Brot. Das Mittagessen verläuft nach einem festen, sich ständig wiederholenden Plan. Abends gibt es dann eine Scheibe Brot, ein kleines Stückchen Wurst, etwas Margarine und 0,5 l Malzkaffee. Doch vor Beginn des zweiten Weltkrieges werden in Deutschland die wichtigsten Lebensmittel sowie andere Waren des täglichen Bedarfs rationiert, so auch in den faschistischen Strafvollzugsanstalten und den Konzentrationslagern. Im April 1940 bekommen die Häftlinge dann nur noch 391 g und 28,57 g Fett am Tag. Bei den kleinsten Vergehen wird ihnen ein Teil ihres Verpflegungssatzes entzogen. Weiterhin sorgt man im Frauenzuchthaus auch für eine gewisse medizinische Betreuung. Man verfügt über ein Lazarett, welches durch den Anstaltsarzt Dr. Jonas geleitet wird. Morgens kann man sich zum Arzt bzw. Zahnarzt melden. Alle Zuchthausärzte sind durchweg NSDAP-Mitglieder, auch Dr. Jonas. Die Häftlinge, die sich zu einer Untersuchung anmelden, werden von den Ärzten und auch dem restlichen Lazarettpersonal durchweg als Simulanten gesehen und dementsprechend auch behandelt. Dr. Jonas untersucht keinen einzigen Gefangenen ernsthaft. Aufgrund der schmutzigen Arbeit des Mattenflechtens oder der Altstoffverwertung kommt es oft zu Hautkrankheiten. Davor kann man sich nicht selbst schützen und leidet wegen der fehlenden medizinischen Versorgung oft jahrelang darunter. Es werden keine wirksamen Medikamente verabreicht und viele Frauen versterben z.B. an Tuberkulose.
All diese Umstände gelten für die Gesamtheit der Häftlinge. Doch es werden Unterschiede zwischen den kriminellen und den politischen Gefangenen gemacht. Denn die Politischen sollen durch das Zuchthaus von der Außenwelt isoliert und physisch sowie psychisch zugrunde gerichtet werden. Die Zuchthausmauern haben die Aufgabe, den Häftlingen das Gefühl der Einschüchterung und Unterdrückung zu vermitteln. Man möchte mit ihnen eine Demoralisierung durchführen. Viele Zuchthausbeamte behandeln die politischen Gefangenen stets brutal. Auch die Arbeiten, die die Politischen verrichten, finden unter unmenschlichen Bedingungen statt. Sie arbeiten meist in den Zellen oder in den Arbeitsräumen. Eine der schlimmsten und gesundheitsschädigendsten Aufgaben ist das Zertrennen und Sortieren von alten Bekleidungsstücken ermordeter Häftlinge aus faschistischen Konzentrationslagern. Diese Textilien sind nämlich zum einen ungewaschen, blutig und verschmutzt und zum anderen stinken sie fürchterlich. Weitere typische Arbeiten sind beispielsweise das Mattenflechten, das Schürzen von Knoten für Militärmützen, das Sticken von Kragenspiegeln für Wehrmachtsuniformen, das Staffieren von Soldatenmänteln und das Entgraten von Kunstharzpressstoff. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges, im Jahre 1944, wird auf dem Gelände des Frauenzuchthauses Cottbus eine neue Produktionsabteilung geschaffen, in der die Gefangenen Filter für Gasmasken in Fließbandfertigung herstellen. Um die 180 der Häftlinge arbeiten in Tag- und Nachtschicht an den Maschinen.

 

Quellen:

Friedrich, Christian: Sie wollten uns brechen und brachen uns nicht. Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der Deutschen Demokratischen Republik Kreiskomitee Cottbus, 1986

Friedrich, Christian: „Leid und Widerstand im Cottbuser Frauenzuchthaus", Cottbuser Heimatkalender, 1987, S. 35-38

Dr. Kitten, Thomas: Das Zuchthaus Cottbus – Die Geschichte des politischen Strafvollzugs. REGIA Verlag, 2009

Bildquelle: Foto Städtische Sammlungen Cottbus, Fotograf: Reinhard Grandke
 
 
Autor:
Pauline Rumplasch
 

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