Das Stadtarchiv

Die Geschichte einer Stadt lässt sich vielfach an ihren erhaltenen Dokumenten festmachen. Bereits vor dem 17. Jahrhundert bewahrte die Stadt Cottbus schriftliche Zeugnisse als rathäusliche Registratur. Durch die beiden letzten großen Stadtbrände des 17. Jahrhunderts (1600 / 1671) wurde diese Registratur jedoch beinah vollständig zerstört.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert konnte in Cottbus keine ordentliche Aufbewahrungsstätte für den Aktenbestand der Stadt erschlossen werden. Die Akten wurden an unterschiedlichen Orten gelagert – so zum Beispiel auf dem Dachboden des alten Rathauses in der Gemeindeschule VI (Sandow) und in der Sandower Straße 50. Der Platzbedarf des schnell wachsenden Archivs überstieg sehr schnell die verfügbaren Räumlichkeiten. Nach mehreren ministeriellen Verfügungen und der Gründung des Vereins für Heimatkunde (1905) wurde 1910 durch die Stadtverordnetenversammlung der Beschluss gefasst, die Akten zentral einzulagern. Das Archiv zog in die neu erworbenen Häuser am Marktplatz 20 und in der Neustädter Straße 17.

Weitere Entwicklung des Stadtarchiv Cottbus

Lediglich vier Jahre später zog das Archiv in das Stadthaus II, Sandower Straße 50, um. Erstmalig erfolgte dort auch die Unterscheidung von historischen und zurückgelegten Akten. Diese Trennung findet heute noch in Form des historischen Archivs und des Verwaltungsarchivs statt. Dabei bewahrt das Verwaltungsarchiv das Schriftgut der Stadtverwaltung lediglich zeitlich begrenzt (zurückgelegte Akten). Nach festgelegten Fristen werden diese Akten entweder kassiert (vernichtet) oder dem historischen Archiv übergeben. Das historische Archiv dient als Ort der Verwahrung und Sicherung der Akten, wobei auch die Öffentlichkeit Zugang zu dem Archivgut erhält. Auch hier reichten die vorhandenen Lagermöglichkeiten nicht lange, sodass das Stadtarchiv nun vollständig im Stadthaus I (Altmarkt 21) untergebracht wurde. Erstmalig konnte das Archiv hauptamtlich durch den Mittelschullehrer und Schriftführer des Heimatvereins, Fritz Schmidt, besetzt werden.
Durch den zweiten Weltkrieg musste das Cottbuser Stadtarchiv schwerwiegende Verluste hinnehmen. Beinah sämtliche Akten, welche sich bei Kriegsende im neuen Rathaus befanden, verbrannten oder wurden während der Säuberungs- und Aufräumarbeiten zerstört. Das Archiv selbst blieb von den Kriegseinwirkungen weitestgehend verschont. Urkunden und Testamente, welche sicherheitshalber nach Klein Döbbern ausgelagert worden waren, gingen durch Kampfhandlungen beinah komplett verloren. Es war nun die Hauptaufgabe des Archivars die Akten aus den Verlagerungsorten und den zerstörten Verwaltungsgebäuden zu retten. Mit dem Ende des Krieges entwickelte sich das Archiv langsam wieder zu einem Teil des kulturellen Lebens der Stadt.

Durch die Eingemeindung der Vororte Madlow, Saspow, Schmellwitz, Ströbitz und Sachsendorf wuchs der Bestand weiter an, sodass die Räumlichkeiten auch im Stadthaus nicht mehr ausreichten. Erneut begann die Suche nach einem geeigneten Standort. Aufgrund eines schweren Wassereinbruchs musste das Archiv schließlich kurzfristig in ein Wohngebäude der Bahnhofstraße ausweichen. Diese Notlösung bot abermals nur einem Teil der Bestände Platz. In der Folgezeit kam es zu weiteren schnell aufeinander folgenden Umzügen. Erst 1993 fand der vorerst letzte Umzug in die Bahnhofstraße 52, dem ehemaligen Druckerei- und Verlagsgebäude des Cottbuser Anzeigers, statt.

Gemeinsam mit dem Stadtmuseum Cottbus gestaltet und betreut man hier seitdem regionale und überregionale Geschichts- und Heimatforschung. Heute umfassen das Stadt- und Verwaltungsarchiv rund 2500 laufende Meter Akten. Im Mittelpunkt der derzeitigen Archivarbeit stehen die Bearbeitung und Verwahrung der Bestände der eingemeindeten Ortschaften sowie der Stadtverwaltung beziehungsweise der Ratsregistratur. Weiterhin stellen Anfragen von Benutzern und die Unterstützung historischer Aufarbeitung rund um die Stadt Cottbus Kerntätigkeiten des Stadtarchivs Cottbus dar.